Perseus hat einen Vogel.

Also ich hoffe, dass er einen hat, wenn nicht gar zwei. Und hoffentlich bald auch mehrere. Der gute Knabe, seines Zeichens Sohn des Zeus, hatte ja der Mythologie
nach eine Reihe schier unlösbarer Aufgabe zu erledigen. Unter anderem musste er,
die Vorgeschichte um das Warum und Weshalb erspare ich mir hier zu erzählen, dem König Polyirgendwas das Haupt der Medusa bringen. Diese zeichnete sich durch mehrere magische Eigenschaften aus, unter anderem der, dass sie jeden, der sie direkt anblickt, in Stein verwandelt. Perseus war seinerseits aber kein Blöder nicht und hat die böse Dame mit einem verspiegelten Schild ins eigene Antlitz blicken lassen und quasi über die Bande geschaut und so der Medusa per Schwert den Kopf abschlagen können. Auch nicht grad die feine englische Art. Aber in der griechischen Mythologie sind derlei Blutrünstigkeiten keine Seltenheit. Jedenfalls wer die Aufgabe erfüllt (die anderen hat er auch ratzfatz erledigt) und er war ein Held. Dass er jetzt trotzdem in Stein erstarrt als Statue jetzt in Schönbrunn herumsteht, birgt dann doch eine gewisse Ironie in sich.
Aber zurück zum Vogel, dem ich Perseus unterstellt habe. Der hat sich ihn nämlich als
Unterstand ausgesucht und sich hinter dem Haupt der Medusa eingenistet. Das finde ich
wiederum ziemlich keck. Perseus dürfte es noch nicht mitbekommen haben, dem Gesicht
der Medusa entnehme ich, dass der Vogel vom Perseus es nicht grad so mit der Körperhygiene hat. Aber das ist, angesichts der Situation eigentlich auch schon egal.

Rural Plural oder wie eine Gruppe von Wildtieren den Duden erschüttern könnte.

Es ist schon ein Zeitl her, als ich so nebenbei, quasi im Vorbeifahren, ein neues Wort gebar. Geburtshelfer war die werte Dame, die mit sicherer Hand unser Pendelmobil über die Schnellstraße nachhause beförderte. Wobei ich jetzt nicht mehr weiß, welches Zuhause da grad angesteuert wurde. Ich verfüge nämlich über zwei dieser Sorte, nämlich Wien und Kleinpetersdorf. Zum einen ist mir Wien ans Herz gewachsen, die Kurze in Wien quasi mehr aufgewachsen als im Burgenland, das macht schon was mit einem. Und ich fühle mich da ja auch wohl. Zum andren liegen und wachsen meine Wurzeln in Kleinpetersdorf. Da bin ich her, da gehöre ich hin. Da will ich dereinst meinen Lebensabend verbringen. Und die Lebensnächte zum Tag machen.
Aber ich schweife ab. Zurück zur, naja, schmerzhaften Geburt eines – vielleicht – künftigen Duden-Eintrages. Es war nämlich so, dass ich tat, was ich immer tue, wenn wir von daheim nachhause fahren: Ich schau in die Gegend. Dort, wo noch keine Lärmschutzwände einem die Landschaft verbergen, kann man so einiges erblicken. Traktoren und Fahrradfahrer, Wälder und Felder, Windräder und Hochsitze, Hasen und Rehe.
Und hier wird’s dann spannend. Denn in der Gattung der Rehe gibt’s eine Untergruppe, wie ich herausgefunden habe. Ja. Rehe sind, entgegen landläufigen Wissens, keine Rudeltiere, halten sich aber ab und an in größeren Verbänden auf, wenn sie auf einem Feld den vorbeifahrenden Autos und LKWs zuschauen. So war es auch an diesem denkwürdigen Tag. Es war ein Grüppchen von elf (in Worten: 11) dieser Tiere. Der Anblick faszinierte mich und sich sagte zu der Dame an meiner Seite: „Schau, da sind Rehs.“ Sie, die Frau Duden in Person, die mit einem Blick auf eine voll beschriebene A4-Seite innert Sekundenbruchteilen drei unentdeckte Rechtschreibfehler erspäht, meinte nur: „Was ist da?“. „Na, Rehs! Da sind Rehs!“ wiederholte ich. Und schon war’s passiert. Sie begann zu lachen und ich konnte es nicht fassen, was mir da grade aus dem Mund gefallen war.
Rehs.
Ein Sammelbegriff für eine Gruppe von exakt elf Tieren der Gattung Reh. Sind es vier oder fünf Rehe, dann sind das Rehe. Handelt es sich um eine Gruppe von zwölf oder mehr, sind es Rehe. Aber stehen exakt elf beisammen, dann sind das Rehs. Ist doch simpel. Während sie weiterlachte, versuchte ich ihr den eben geborenen Sachverhalt näherzubringen, was sich als schwierig herausstellte. Klar, sie war ja aufs Autofahren konzentriert und in diesem Moment für derlei komplexe Neuerungen der Rechtschreibung nicht empfangsbereit. Schließlich hatte sich sich beruhigt und anerkannt, dass es eben so ist:
Rehs: eine Gruppe von elf Tieren der Gattung Reh
Seitdem sind meine Wildtierbeobachungen stets von einer Zwischenfrage begleitet, wenn ich wiedermal Rehe erbicke und dies meiner Dame zur Kenntnis bringe: „Bist du dir sicher, ob’s nicht Rehs sind?“



Ungleich und gleich

Da ane mog d’ Hitz,
da andre di Kötn.
Wos da ane guad find,
losst da andre ned götn.

Da ane mog’s soizig,
da andre siaß.
Was dem an as Fleisch is,
is dem andren as Gmias.

Da ane mog’s lauda,
da andre a Ruah.
Wos dem an zvü is,
is dem andren ned gnua. 

Da ane mog ’s fuatgehn,
da andre bleibt daham.
Was dem an die Stadt is,
san dem andren di Bam.

Da ane wü fiere,
da andere zruck.
Wos da ane dawoat,
braucht da andre ruckzuck.

Da ane is goschat,
da andre scheich.
So vü uns a trennt,
mi san do olle gleich.