Wo sind die Kulissenschieber?

Ich fahre öfters mal mit Hunden in Menschenbegleitung im Lift. Rauf. Runter. Im Prinzip ist das nichts außergewöhnliches. Man hält Abstand, trägt Maske, versucht flacht zu atmen und lässt einander beim Aussteigen viel Platz. Also wir Menschen.
Für den Hund stellt sich das ganz anders dar. Da marschiert man in ein kleines, ungemütliches und sehr enges Zimmer ohne Fenster um kurz darauf wieder rauszugehen. Das Komische daran ist ja, dass der Raum, aus dem man in das komische Zimmer gegangen ist, plötzlich anders aussieht. Komplett. Anderes Licht, andere Gerüche, andere Menschen. Manchmal ist die Straße dahinter weg, beim nächsten Mal ist sie wieder da. Wahrscheinlich machen die Menschen das aus Spaß, zum Zeitvertreib oder gar aus Langeweile. Ich mein, dass denen das nicht auffällt, das kann ja wohl nicht der Fall sein. Wobei, manchmal passiert es schon, dass man sofort wieder ins kleine Zimmer zurückgezogen wird und erst beim nächsten Öffnen der Tür wieder aus der Enge raus darf. Zauberei kann es ja nicht sein. Ganz ehrlich: Wer glaubt denn schon an Zauberei? Na eben. Aber Respekt an die Kulissenschieber, die leisten da immer vollste Arbeit. Bäume, Straßen, Duft, Ausleuchtung in dieser kurzen Zeit umzustellen – Respekt.

Der QR-Code zum Glück.

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Hier irgendwo haben die Wiener Linien einen QR-Code reingeschummelt, der verrät, wo das Bernsteinzimmer versteckt ist. Ich hab schon fast alles abgesucht, aber gefunden hab ich bislang nur einen Gutschein für ein Messerschleif-Service in einer peruanischen Kleinstadt, einen Promo-Code für eine burmesische (?) Motoradführerschein-Lern-App und den Link zu den technischen Spezifikationen eines elektrischen(!) Eierschälers einer Supermarkt-Eigenmarke in Japan. Aber ich find‘ noch die richtige Stelle. Ich finde Sie. Fix. Ich geb‘ nicht auf. Sicher nicht. 

Textfunken – Lockdown im Stüberl

Den folgenden Text habe ich beim „Textfunken“-Literaturwettbewerb von ORF-Burgenland eingereicht. Er steht im Finale der besten fünf Beiträge und freut sich bis 24.12.2021 auf Stimmen beim Online-Voting.
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Das Online-Voting hat Martina Parker gewonnen. Die nachfolgende Geschichte hat allerdings die Jury überzeugt und wurde zum Jury-Siegertext bei Textfunken erklärt. Meinereiner war auch kurz im Regional-TV zu sehen und im Regional-Radio zu hören.
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Am 25.2.2021 wird meine Geschichte dann auch im Radio ausgestrahlt, vorgetragen (voraussichtlich) vom Christoph Waltz des Südburgenlandes: Christoph Krutzler. Man darf gespannt sein.
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Aber jetzt: Auf ins Stüberl!

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Lockdown im Stüberl

Es ist März. Die Natur erwacht. Und auch der Lockdown. Corona, Sie wissen ja. Und das ist bitter. Viel bitterer als dieses mexikanische Gschloder, das dem Wirten eh immer im Kühlkammerl abläuft. Obwohl, bei dem Zeug ist eh wurscht. Allerdings: Beim Wirten ist jetzt mehr los, als sonst. Ist zwar verboten. Und wer fragt schon. Klar, alle sind daheim. Keiner ist in der Arbeit und was will man da machen mit der Zeit? Eben. Zum Wirten gehen. Und dort wird halt gesoffen, wie nie zuvor. Jetzt ist es aber so, dass der R, der beim Wirten sonst immer seinen Gebrannten auf der Budl stehen hat, sich strikt an den Lockdown hält und daheim bleibt. Aber nur wegen seiner I, die ist nämlich eine ganz eine strenge. Aber da kann der R nicht aus. Und das ist bitter für den R, weil er kann nicht liefern. Das muss man sich mal vorstellen, es ist Hochkonjunktur und deinen Umsatz macht ein anderer.
Der K nämlich, der ist kein Blöder nicht und wittert das große Geschäft mit seinem Schnaps. Denn jetzt hat er den Gummistiefel in der Tür und seinen Zwetschkenen auf der Budl vom Wirten. Der brennt runter wie nur was und der Wirt brennt auch brav. Und zwar in bar, weil Rechnung geht ja nicht, wenn das Wirtshaus eigentlich zu haben muss. Versteht sich eh von selber. An der Steuer vorbei freuen sich so gleich zwei: 51% Klarer mit 0% Steuer ergibt 100% grinsende Gesichter vom K übern Wirten bis hin zu den Special Guests.
Verschärfend für den R kommt hinzu, dass er gleich vis a vis vom Wirten wohnt und jeden Tag sieht, wie K und alle anderen beim Wirten bei der Hintertür reinmarschieren und später dann dort wieder rauspurzeln. Da muss er jedes Mal schlucken. Seinen eigenen natürlich. Aber so, allein, schmeckt ihn der auch nimmer so richtig. Irgendwas muss geschehen. Und zwar bald.
Vom daheim Herumlungern tut’s dem R nämlich schon ihm Kreuz weh. Wenig Bewegung und so. Aber Gottseidank hat er ja Vorlauf daheim, zum Einreiben. Wenn’s nutzt, ist es gut, wenn nicht, dann riecht’s wenigstens gut. Und wie er grad wieder ein Schluckerl in die Hand schüttet, da kommt ihm eine Idee. Den Vorlauf, den kann man ja nicht nur als Einreibung nehmen. Und das hilft ihm auch bei seinem Absatzproblem. Also jetzt nicht direkt. Aber doch irgendwie. Pflatsch, ins Kreuz mit dem Vorlauf. Und bald kommt der auch woanders hin.
R hat sich nämlich gedacht, er muss jetzt was tun. Bevor es zu spät ist. Aber dafür muss er noch abwarten. Und das kann dauern. Er kennt ja die Kandidaten. Noch vor ein paar Wochen haben sie ihm im Geiste gehuldigt, jetzt sind ihre Geister vom Geist eines anderen umnebelt. Da kann er nicht länger zuschauen. Das kann er nicht länger zulassen. Aber das braucht Geduld. Und zwar viel. Denn die gehen und gehen heute nicht heim.
Dass der Wirt das blecherne Blumengestell in die Einfahrt stellt, soll glaubhaft machen, dass sein Parkplatz gesperrt ist. Tut es auch. Und es weckt den R auch, wenn der letzte Gast vom Wirten rausstolpert und drüber fällt: Der Wirt selber. Der wohnt nämlich nicht im Wirtshaus, sondern in der hinteren Gasse. Ruhige Lage und so. Durchzugsstraßendörfer haben da wenig Charme, wenn man vorne wohnt, wo um halb 5 in der Früh schon die ersten Lastwägen über die Kanaldeckeln scheppern. Jedenfalls war’s noch nicht ganz 3 und der R putzmunter. Seine Zeit ist gekommen. Er greift sich die beiden hergerichteten Doppler vom Vorlauf und hirscht los. Rüber über die Straße. Das deppert machende Flackern der Neonröhren von der Straßenlampe weist ihn stroboskopartig den Weg, den er eigentlich eh auswendig kennt. Fast hätt‘ er sich noch über das umgeschmissene Blumengestell derhaspelt, aber elegant ausgewichen und schon ist er beim hinteren Eingang. Durchatmen. Die Tür schließt nicht mehr richtig, seit damals der Bub vom Installateur probiert hat einzubrechen. Danke für die Vorarbeit, denkt sich der R. Kinderspiel quasi. Jetzt aber. Türschnalle heben, zur Türangel ziehen und – Zack – die Tür ist auf.
Pfah, da schmurchtelt’s. Abgestandener Rauch, die Norgeln von Schnaps, Uhudler und Bier geben ein Luftgemisch, das selbst chinesischen Industriestadtbewohnern die Nasenhaare einringeln würde. Konzentriert bleiben: Wo ist der Schnaps vom K? Da. Nicht einmal ein Etikett hat er draufgepickt. Grad ein Marmeladeglaslpickerl vom Lagerhaus und ein „Z“ draufgeschrieben. Das gibt’s beim R nicht. Da ist alles fein säuberlich angeschrieben, weil Ordnung muss sein. Und da ist die zweite Flasche. Mit einem zittrigen „A“. Von A bis Z ohne Geschmack – aber 45 Umdrehungen. Gut, kosten muss man schon, denkt sich der R und setzt die Flasche mit dem „Z“ an. Uahh – ein reines Wirkungsgetränk. Jetzt der mit dem „A“. Ah, der geht. Noch ein Schluck zur tiefergreifenden Feststellung des Geschmackes. Respekt. Das hätte der R dem K nicht zugetraut. Aber hilft ja nix. Weg damit in den Ausguss. Da wird die ranzige Abwasch an der Budl beim Wirten wenigstens ein bissl sauber. So. Die Flaschen sind leer. Jetzt kommt der Vorlauf rein. Beste Ware. Also fürs Fensterputzen, Einreiben und als Frostschutz für die Scheibenwaschanlage beim Auto. Aber jetzt warten höhere Aufgaben für den Hochprozentigen, wenngleich auch aus niederen Absichten heraus. Harte Zeiten – harte Maßnahmen – ehschonwissen. Nur – so ganz ohne Trichter ist das schon eine fitzelige Angelegenheit. Und dann noch mit dem Flackern von der Straßenlampe draußen als einzige Lichtquelle – eine Operation am offenen Herzen bei einem Erdbeben ist nix dagegen. R rinnt der Schweiß runter, schneller als der Vorlauf aus dem Doppler. Wie ein Zwirnfaden dünn begibt sich der falsche Schnaps in die richtige Flasche. Die der zweiten Flasche detto. Nix verschüttet. R atmet durch und setzt die Flasche wieder an. Und gleich wieder ab. Ha! Sicher ned. Fast hätt‘ er sich selbst geschossen. Ja, das wird die Überraschung für Morgen. Und Übermorgen ist der R wieder im Geschäft. Und er auf der Budel. Also quasi. Schnell die Korken reinpfrimmeln in die Flaschen und rüber damit ins Regal. Mit einem Doppler in der Hand startet er wieder heim. Aber da stiert es den R. Wieviel da wohl in der Kassa ist? Was geht da 1:1 in den Säckl vom Wirten, an der Steuer vorbei, dem Lockdown den Finger zeigend? Da im Ladl. Er bräuchert nur aufmachen und nachschauen. Aber wenn der R das tut, das weiß er, dann frisst ihn der Neid. Und das tut er sich nicht an. Das wäre fatal. Lieber nicht. Also raus. Heim. Schlafen.
An diesem Tag wacht R anders auf. Ja, das Ziehen im Kreuz ist zwar da, aber irgendwas ist anders. Ja, seine I, die ist auch nicht besser aufgelegt als gestern, aber etwas lässt ihn die Sonne durch den Morgennebel sehen. Ja, der Gockel vom Nachbarn hat immer noch nicht das Hackl gesehen, aber sein Krähen tut heute weniger weh in den Ohren, nein, es klingt fast wie eine Melodie. Es ist der Tag der Tage. Quasi. R meckert heute auch nicht über den Kaffee. Oder die Semmeln von vorgestern. Heute zählt anderes. Aber noch ist Ruhe.
Gegen 10 Uhr geht der Vorhang auf. Auftritt: Der Wirt. Er kommt vom Gartentürl hinten zum Hintereingang. Mit einer Scheibtruhe und 2 Kisten Bier. In einer Schlacht darf einem die Munition halt nie ausgehen. Sein Schlüssel findet nach ein wenig Stirrln den Weg ins Schlüsselloch und schon ist das Stüberl geöffnet. Inoffiziell versteht sich. Es dauert nicht lange und die ersten Kandidaten betreten die Bühne. Eh wie immer. R steht am Fenster und ertappt sich dabei, wie er grad leise die die Melodie von „I got you babe“ pfeift – weiß aber selber nicht warum.
Ah, heute kommt auch der J. Zu Fuß. Das muss man sich mal vorstellen. Der J. Zu Fuß. Der, der am liebsten mit dem Auto vom Kuchltisch in die Garage fahren würde. Der kommt zu Fuß. Der ist ja selber Kib… also Polizist. Aber jetzt in zivil unterwegs. Und das weiß er gut zu trennen. Ist auch besser so. Weil unter Freunden geht under cover eh nicht. Er ist es auch, der heute als erstes auf die Flasche mit dem „A“ zeigt. Ist ja eh schon fast 11. Was soll schon sein? Außerdem für den frischen Atem, weil wenn die Tochter  vom Wirten auch vielleicht vorbeikommt. Was weiß man schon.
Jetzt muss man aber wissen, dass der J es mit dem Magen hat. Stress, ungesunde Ernährung, daheim ist auch nicht immer alles so, wie’s sein soll, dazu die vielen Tschick, der viele Alk. Da haben halt schon ein paar Meter Magen raus müssen, sagt man sich im Dorf. Gesund schaut er nicht aus, aber wissen tut’s keiner so genau. Weil wer redet einen auf sowas an? Eben. Jedenfalls ordert der J einen Doppelten. Er muss „AA“ sagt er. Alle lachen. Klar. Mörderwuchtel. Und schon ist das Stamperl voll. Der J genießt den Moment, zieht noch an der ungarischen Tschick und lässt den Rauch mit seinem unvergleichlichen Grinsen aus den Nasenlöchern rausdampfen. Er zwinkert in die Runde, setzt an und stellt sich den Schnaps, der keiner ist, mit einem strammen Zug in die Figur. Im nächsten Augenblick schmeißt er die Augenbrauen ins Gnack und er atmet so tief ein, wie er es in seinem ganzen Leben noch nicht gemacht hat. Nicht mal damals, als er bei dem Hochwasser von einem angeschwemmten Baumstamm unter die Brücke gedrückt wurde und sich in allerletzte Sekunde noch selbst befreien konnte. Da war er gefühlt eine halbe Ewigkeit unter Wasser, wenn nicht mehr. Aber das jetzt war anders. Und das haben die anderen auch sofort übernasert. Das war nicht der J wie man ihn kennt. Plötzlich hat er ausgeschaut wie ein Zündhölzl. Spindeldürr und hochroter Kopf. Jetzt meldet sich die Lunge. Er hustet, als wie wenn er Nussbaumblätter geraucht hätte, es krampft ihn zusammen und er sitzt plötzlich am Boden. Es wird ihm nicht besser. Das Rot wird intensiver und die Not nicht geringer. Noch bevor sich der N und der T zu ihm runterbeugen können, ist der J auch schon narkotisiert. Also nimmer bei Sinnen. Was streng genommen eh selten der Fall – aber das ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt.
Grad jetzt kommt der K rein. Alle schauen ihn an. Bis auf den Wirt. Der schaut zuerst die Flasche an. Und dann den K. Der schaut auf den J und fragt, was los ist. Wie auf ein Kommando zeigen alle auf das leere Stamperl. Der K macht den Scheibenwischer und hirscht rüber zum J. Was tun? Die fragenden Blicke im Stüberl sprechen Bände voller leerer Seiten. Seitenlage! Stabile Seitenlage meint der Wirt. Da war mal was, damals beim Führerscheinkurs. Ist halt schon lange her. Da hat noch der Daffinger vom Zwanziger gelacht. Das Atmen vom J wird flacher und er immer dünkler.
Derweil schnüffelt der Wirt an der Flasche. Vorlauf! Eindeutig. Er schreit den K ins Gesicht, dass da Vorlauf in der Flasche mit dem „A“ ist. Und jetzt drücken sie den K ins Eck. Im anderen Eck ist derweil der J im Eck. Weil der atmet nimmer. Der K macht einen Plärrer und sagt, dass er niemals einen Vorlauf verkaufen würde. Der Wirt macht einen Plärrer, weil jetzt muss was passieren. Und zwar jetzt. Jetzt. Weil: Atmung: Nix. Puls: Nix. Plan: Nix. In der Panik macht der N das einzig richtige: Er ruft den F an. Der ist bei der Rettung, ist der Nachbar und hat heute frei. Aber langsam wird’s unübersichtlich. Der Wirt brustet mit dem K, der N und der T sind unten beim J und der F schneit auch schon bei der Hintertür rein. Ja seit den Ihr! Der F, knapp 180kg Lebendgewicht, ist gleich auf den Knien und schaut. Puls: Nix. Atmung: Nix. Plan: Mund-zu-Mund-Beatmung plus Herzmassage. Alle machen einen Schritt nach hinten. Das kennen sie nur vom Fernsehen. Und da geht das immer gut. Aber wie sie sehen, wie sich der F ins Zeug haut und den J aufbläst und die Rippen knacksen lässt, wird’s ihnen anders. Weil schwitzen tut nicht nur der F, jetzt schwitzen alle. Und wie. Es nutzt aber alles nix und der Wirt macht seine Pflicht und ruft bei 133 an.
Der R ist inzwischen eingeschlafen. Grad bevor die Szenerie auf der Straße ein bissl Action bekommen hat. Und dann war er gleich wieder putzmunter. Rettung, Polizei – alles da. Soviel Blaulicht auf einmal, das hat er auch nur im Kino gesehen und wie damals der Stadl beim alten Herrschaftshof gebrannt hat. Jetzt ist’s ihm kalt worden. Und heiß auch gleich dazu. Da muss was gewesen sein. Haben die sich zerstritten da drinnen? Hat einer durchgedreht? Ist ja kein Wunder, so wie die drauf sind. In so einer Ausnahmesituation. Grad heute muss was sein, wo doch jetzt die Geschichte für ihn besser laufen sollte, da geschieht was. Zefix. Das passt dem R gar nicht. Draußen auf der Straße ist derweil schon ein Mörderauflauf entstanden. Als gäb’s was gratis. Das halbe Dorf ist unterwegs. Im Lockdown gibt’s eine Pyjamamodeschau mit fragwürdigen Frisuren. Und plötzlich mittendrin ein schwarzer Kombi mit verdunkelten Heckscheiben.
Und wie der R grad seine I im Getümmel sieht, läutet es draußen an der Tür. Und zwar Sturm. Ich mein‘, wer bimmelt derartig penetrant an so einem Tag? Reicht’s nicht, dass da draußen die Hölle los ist? Allerdings: Die Fragen sind schnell beantwortet. Weil wie er die Tür aufmacht, stehen da die zwei Neuen vom Polizeiposten. Ohne Radarpistole hätte er die fast gar nicht erkannt. Weil heute haben sie was anderes in der Hand: Den vergessenen Doppler vom R und einen Notizblock mit ein paar Fragen.

Am laufenden Band geht’s weiter.

Hoffentlich. Ich hab nicht vergessen, nur noch etwas gegessen. Aber jetzt ist es soweit, ich schreite zur Pokalisierung der aktuellen, neugestarteten Freitagstexterrunde.

Es stand folgendes Bildnis zur Betextung in der Auslage, das sich mir vor nicht allzulanger Zeit darbot, als ich’s eilig hatte, heim zu eilen. Aber: Eile mit Weile. Weil ohne Weile, wäre da dieses Bildchen nicht, welches – ich mach’s kurz – der Herr Schabl… äh, Schlabonski treffend mit einer Bildunterschrift versah.

Jetzt steh ich hier schon ne halbe Stunde am Sushifließband, und es kommt nix. Hunger! Drecksladen. Und zugig.

Ein herzliches Lachen entlockt es mir immer noch. Und mit dem wunderbaren Text vom Dieter ist’s gleich doppelt lustig. Und beim Dieter geht’s am Freitag weiter.
Wohlan, lasst uns unsre Sattel weiter schleppen und schauen, was der alte Sattelschlepper uns zur Betextung aufs Fließband der Freitagstexterei bereit stellt. Ich bin gespannt.

The Show must go on!

Seit geraumer Zeit steckt er bei der werten Lakritze fest, der Freitagstexter-Contest. Sogar seinen 9. Geburtstag musste er im Stillen erleben.
Ungefeiert.
Unumfochten.
Das hat er sich nicht verdient. Seit 2005 geht’s in den unterschiedlichsten Blog im deutschen Sprachraum Freitag für Freitag darum, ein interessantes Foto kreativ zu betexten. Wie ein Wanderpokal wird der Freitagstexter als virtuelle Trophäe weitergereicht.
Eine wunderschöne Idee, der ich – als letzter Austragender, der einen Siegerbeitrag gekürt hat – wieder Leben einhauchen möchte. Wäre ja gelacht.
Also: Gehen wir’s wieder an.
Ich stelle folgendes Bild zur kreativen Betextung bereit.

Wer ein eigenes Blog hat und mitmachen will, einfach eine kreative Bildunterschrift als Kommentar schreiben und schon spielt man mit. Einsendeschluss ist kommenden Dienstag Mitternacht. Am Mittwoch küre ich den Siegerbeitrag und gebe bekannt, in welchem Blog es am drauffolgenden Freitag weitergeht. Das genaue Regelwerk findet man hier.
Also:
The Show must go on!

Alter

Alter ist relativ.
Ja, es lässt sich zwar in Zahlen gießen, eine Gussform die Zeit zwischen dem aktuellen Tag und dem Tag der Geburt festzuzwängen versucht, aber schon aufgrund der andauernden Veränderung eines der beiden Parameter zum Scheitern verurteilt ist. Das Ergebnis ist ein mehr oder weniger charmanter Zahlenwert, der unabänderlich größer und größer wird und erst dann zu ruhen gedenkt, wenn’s eh schon zu spät ist.
Aber was heißt das schon.
Jahr für Jahr muss man sich auf die Frage, wie alt man den sei, eine neue Zahl merken.
Ein Zahl, die ohne Belang ist.
Hofft man.
Alter hat oft auch was hürdenhaftes, was abgrenzendes. Einmal überwunden, darf man endlich mit dem Fahrrad auf der Straße fahren, Alkohol trinken oder nicht mehr vom Bundesheer eingezogen werden.
Aber Alter lässt sich auch fühlen, leben und genießen.
Manche sind jünger als es in deren Pass steht, andere sind älter als die nüchternen Zahlen.
Die einen wollen nie alt werden, andere können es gar nicht erwarten.
Somancher will jung sein, wenn es dafür schon fast zu spät ist.
Andere waren gar nie jung.
Manche sind jung geblieben, während gleichaltrige alt waren, als Alter noch keine Rolle spielte.
Alter ist das, was man draus macht.
Alter ist relativ egal.



Zeit.

Sie ist.
Sie war.
Sie wird sein.

Man braucht sie.
Vielleicht hat man sie auch.
Dann gibt man sie sich. Oder anderen.

Oft nimmt sie sich jemand.
Um sie aufzuwenden.
Und sie dabei zu nutzen. Oder zu verschwenden.

Sie vergeht mitunter.
Und das verschieden schnell.
Oder eben auch nicht.
Gern bleibt sie stehen.

Leider wird sie auch verschenkt.
Aber lieber geschenkt.

Sie kann gespart werden.
Sich sogar rentieren.

Wunden kann sie heilen. Alle sogar, sagt man.

Sie wird kommen.
Sie ist vorbei.
Sie ist jetzt.

Die Zeit.