Fußball und seine Schattenseiten


Während das österreichische Nationalteam erfrischend spielt und höchst erfolgreich ist, rutscht anderswo der Haussegen in beträchtliche Schieflage.
So kann ein Weiterkommen in Berlin ins Achtelfinale in Kärnten zu einem kleinen Schritt in Richtung Scheidungsanwalt werden.
Bei aller Euphorie – ans Finale wollen wir aus sportlicher und auch zwischenmenschlicher Sicht lieber noch nicht denken.

Kein Zinnober!

Dass Hetzendorf über ein kleines Schloß verfügt, das ist ja allgemein bekannt. Es ist zwar nicht so berühmt, wie das einen Steinwurf entfernte Schlößchen, das nach einem schönen Brunnen (Wo soll der überhaupt sein?) benannt ist, aber mindestens genau so reizend.

Was aber die wenigsten wissen: In Hetzendorf sind jetzt die Überreste einer stattlichen Burg entdeckt worden, die wohl als Wehranlage diente und Wien gegen allerlei einfallende Truppen gen Süden hin absichern sollte. Den Baumeistern der Burg dürfte allerdings ein dramatischer Fehler unterlaufen sein. Sie haben diese nicht auf einem Hügel oder erloschenen Vulkankegel errichtet, wie es eigentlich Usus war, sondern in eine Senke gebaut. Vielleicht wollte man damit einen innovativen Schritt setzen und das Burgbauwesen reformieren, andere Theorien sprechen davon, dass man damit die Gegener verwirren wollte. Darüber sind sich die Experten noch uneins.

Jedenfalls liegen bereits Pläne vor, die neu entdecken Zinnen der Burg Hetzendorf als Sehenswürdigkeit touristisch zu nutzen. Kürzlich eröffnete Hotels und Appartement-Häuser in der Nähe dürften wohl Vorboten dessen sein, dass die Stadt Wien hier in naher Zukunft mit einem Paukenschlag die Sensation des Jahres 2024 präsentieren wird.
Zuerst sanft mit Führungen, dann folgen wohl weitreichende – touristisch begleitete – Ausgrabungen, die das Anwesen in seiner vollen Pracht freilegen sollen. Schließlich, so ist zu vernehem, wird die Anerkennung als Weltkulturerbe angestrebt, was nur eine Formsache sein sollte.

Sonderbarkeiten des Alltags, Teil „Wasweißdennich“

Wenn jemanden etwas geglückt ist, ist es nicht selten, dass man mit „Herzlichen Glückwunsch“ gratuliert – das kann eine Vaterwerdung, der Gewinn einer Auszeichnung oder ein zusätzliches Jahr am Buckel sein.
Es ist quasi „Glück wünschen“ im Nachhinein, wenn die Sache schon längst gelaufen ist, wenn vielleicht gar kein Glück vonnöten war, pures Können den Ausschlag gab oder einfach nicht vorhandenes Ableben.

Blindschnitt

Wenn man einen Frisiersalon eröffnet, dann braucht man halt auch einen knackigen Namen. Nur, die guten sind halt alle schon vergeben. Wem das Muster „Salon Gerti“ zu bieder ist und einem auf der Suche nach einem noch nicht verwendeten Kalauer nur noch ein „Hairjemine“ auskommt, dann muss man eben tief in die Trickkiste greifen. Wobei man hier den Schlüssel für eben jene wohl nicht gefunden hat.

Ich hoffe nur, dass der Mensch an Schere und Föhn nicht so blind ist, wie der Name des Salons verspricht. Allerdings, der Name des Partnerbetriebes, der dem Haar der Herren zuleibe rücken soll, liegt dann schon auf der Hand.

Ein ohrenbetäubender Anblick.

Da gibt es einen Musiker in meiner Wiener Hood. Er ist schon etwas älter, ich schätze, dass der Herr weit über 70 ist. Er wohnt in einer Seitengasse in einem kleinen Mehrparteienhaus hinter einem kleinen, gepflegten Vorgarten.

Abends, wenn ich so meine Runde geh‘, komm ich da gelegentlich vorbei und werde manchmal Ohrenzeuge seiner Musikliebe. Im Sommer spielt er nämlich bei offenen Fenster gerne Querflöte, an manchen Tagen auch Geige. Manchmal gibt er offenbar auch Unterricht und dann fiedeln und querflötieren sich seine Schüler oder Studenten durch Notenblätter und durchfluten den Vorgarten mit klassischer Musik, ein bisschen davon plätschert dann auch auf das kleine Gässchen. Sie sind alle Meister ihres Faches, kein falscher Ton knickt hier auch nur einen Grashalm.

Immer, wenn ich an dem Haus vorbei komme, werfe ich im Vorbeigehen unweigerlich einen kleinen Blick durch die alten Kastenfenster. Meist sind sie offen und man hört seine Liebe zur Musik. Wenn’s kühler ist und die Fenster geschlossen sind, spürt man die Töne, die Leidenschaft, die er in jede Note steckt, welche er mit seinen Fingern in Schwingungen verwandelt, die Herzen höher schlagen lassen.

Unlängst, es war ein sehr lauer Abend, war es still. Ein paar Vöglein machten zwar Musik, aber durch die Gasse kam nichts geigiges oder querflötiges daher. Als ich an seinem Haus ankam, sah ich, dass er neben dem Fenster sitzend Notenblätter studierte.

Er nickte im imaginären Takt mit dem Kopf und bewegte seinen Oberkörper und die Arm wie ein Dirigent. Was muss sich da wohl in seiner Phantasie für ein orchestrales Meisterstück abgespielt haben. Pauken, Trompeten, Geigen und Flöten – ein ganzer Orchestergraben musizierte wohl in seiner Vorstellung beim Lesen der Noten. Ein ohrenbetäubender Anblick.

War es Mozart oder Beethoven? War es sein eigenes Werk? Ich werd’s wohl nie erfahren. Aber eines weiß ich: Ich hätte unheimlich gerne gehört, was sich da in seinem Kopf an Musik abgespielt hat.