Zurückgehen, um sich aufeinander zuzubewegen.

Klingt paradox. Ist es auch. Aber genau das war die einzige Lösung, um enorme Spannung aus einer verzwickten Situation zu nehmen.
Es war der 9. März 2025. Im Hartberg stand ein Spiel der Fußball-Bundesliga auf dem Programm. SK Rapid Wien war zu Gast und sollte um 17 Uhr auf TSV Hartberg treffen. Das Wetter war schön, das Stadion bis auf den letzten Platz ausverkauft, alles war perfekt angerichtet um den Sonntagnachmittag mit einem fußballerischen Kräftemessen ausklingen zu lassen.
Ausgeklinkt haben sich 45 Minuten vor Spielbeginn jedoch die Gehirnwindungen von ein paar Rapid-Fans, die mit der Einlasskontrolle der Polizei nicht ganz zufrieden waren. Was exakt passiert ist, ist nicht lückenlos bekannt. Jedenfalls sind pyroteschnische Gegenstände, Mülltonnen und eine Klotüre (ja, eine „Häusltür“!) in Richtung Polizei geflogen, diese antworte mit Pfefferspray und lies Schlagstöcke sprechen.
Es eskalierte, wie man so schön sagt.
Eine Dritte Halbzeit war also voll im Gange, noch ehe der Anpfiff erfolgte. Diese erhitzte die Gemüter und sorgte schließlich dafür, dass das Spiel erstmal gar nicht angepfiffen wurde. Denn die heißlaufenden Köpfe eines Teils der Rapid-Fans mussten erst wieder abkühlen. Und das war nicht so einfach. Vertreter des Vereins versuchten beruhigend einzuschreiten, mit mariginalem Erfolg. Schließich gelang es Brigitte Annerl, der Präsidentin des TSV Hartberg, der Vertreterin des Heimvereins, dem Kopf des Gegners des wütenden Mobs, genau diesen wütenden Mob zu beruhigen und dazu zu überreden, sich ordentlich zu verhalten und ein Spiel zu ermöglichen.
Das Spiel endete nicht nur auf dem Spielfeld mit einer Niederlage für Rapid. Auch am grünen Filz bekam der Verein eine (wenn auch milde) Abreibung.
Als geheime Siegerin des Spiels gilt jedoch Brigitte Annerl. Ihr Team hat gewonnen, sie hat eine verzwickte Situation durch grandioses Verhandlungsgeschick gelöst, sie hat gezeigt, dass eine Frau in einem so genannten „Männersport“ sehr wohl „ihren Mann“ stehen kann.
Aber das alles ist nur Beiwerk. Ich feiere Brigitte Annerl für eine Passage in ihrem Interview im Kurier, es sind wunderbare Sätze, die das dumme Geschehen rund um ein Fußballspiel bei weitem überstrahlen: