Wie spielen Regenwürmer eigentlich Schere-Stein-Papier?


Man kennt es ja, das kleine Spiel für zwischendurch. Man spricht gemeinsam „Schere, Stein, Papier!“, bewegt dazu die Faust im Rhythmus und bei „Papier“ zeigt man das Werkzeug seiner Wahl. Und schon steht ein Sieger fest. Oder es gibt ein Unentschieden und es folgt eine zweite Runde. Nötigenfalls eine weitere. Solange bis halt jemand gewonnen hat.
Auch bei Entscheidungen, wenn zwei gleichwertige Optionen sich gegenüberstehen und man in Ermangelung von Zeit rasch eine Handlung setzen muss, kommt dieses Spiel zum Einsatz.
 Das Regelwerk ist simpel und ist in wenigen Sekunden erklärt. Das macht das Spiel bei wirklich allen beliebt, außer vielleicht von Tischlern und Zimmerern, aber das ist eine andere Geschichte.

Neulich im Garten sind mir zwei Regenwürmer entgegen gekreucht. Und die brachten mich zu der Frage im Titel. Also, wie läuft das jetzt bei den Regenwürmern? In Ermangelung von Fingern tun die sich da ja etwas schwer. Aber wenn man ein wenig Geduld mitbringt, dann zeigt sich, dass die kleinen flinken Nützlinge sehr einfallsreich sind und ihrerseits eine Variante entwickelt haben, die sich sehen lassen kann.

Sie spielen nämlich „I-S-O“ – in Fachkreisen auch als Stock-Schlange-Brunnen bezeichnet.
Durch langwierige Beobachtung (mir wurde das Bildmaterial auf verschlungenen Wege) und den nachfolgenden Unterwürfigkeitshandlungen hat sich folgende Regelung herauskristallisiert:
O > S … die Schlange fällt in den Brunnen
S > I … die Schlange umwickelt den Stock
I > O … der Stock liegt quer über den Brunnenrand


Falls Sie also mal wieder zwei Regenwürmer in freier Wildbahn in solchen oder ähnlichen Posen nebeneinander sehen, wissen Sie, dass Sie da eines besonderen Naturschauspiels ansichtig geworden sind.

Wie aber nun ein Crossover-Match Regenwurm vs Mensch aussehen kann, daran wird noch auf Hochdruck gearbeitet. Ein Reglement zu entwickeln, mag vielleicht schwierig sein, die weitaus diffizilere Aufgabe wird wohl, diese den Regenwürmern beizubringen. Aber wie haben einst die Affen in der Toyota-Reklame gesagt: „Nichts ist unmöglich!“.

Da will man abends noch mal kurz eine Verdauungsrunde drehen und dann entscheidet eine Minute darüber, dass die Niederlande und Simmering auch Teil deines Abends werden.


Es ist 19:25, die Dame und ich starten nach dem Abendessen los. Eine Runde rauf zur Gloriette, hinten beim Parkplatz nach dem Tirolergarten raus und wieder heim. Ein gemütliches Stündchen die Füßchen bewegen. Guter Plan eigentlich.
Wenn ich allein unterwegs bin, hab ich einen ambitionierten Schritt drauf. Obwohl ich immer wieder da und dort stehen bleib und durch die Gegend knipse. Heute nicht, da die Dame mit dabei ist. Nun, beim Gehen plaudert man halt und man vernachlässigt das Tempo. Aber alles ok, wir sind in der Zeit.
Oben angekommen, genießen wir kurz den Blick über die Stadt und da es ein wenig frisch war, ging’s gleich weiter zum Parkplatz-Ausgang. Die Zeit drängelte nun schon schüchtern. Also weiter.
19:58. Alles wunderbar. Nur noch die eine Biegung vor uns und wir sind am Tor. Und so war es auch. Das Tor war da. Ein Auto fuhr gerade weg. Auf uns zu. Die Torwächterin.
19:59. Sie fährt an uns vorbei. Und an einem joggenden Pärchen, einer jungen Frau mit Mütze und Windjacke und zwei jungen Männern. Alle sind baff. „Die hat wohl neue Batterien in der Uhr“ denke ich mir.
Das joggende Pärchen macht kehrt und läuft grummelnd runter Richtung Haupteingang. Der hat länger offen – zumindest kann man dort bis spät in die Nach raus.
Die junge Frau ist überrascht, dass um 20:00 schon geschlossen wird, es ist ja noch hell. Sie ist zwar Wienerin, lebt aber schon länger in Spanien und ist auf Kurztrip wieder in Wien. Dass sie jetzt runter zum Haupteingang muss, nimmt sie gelassen.
Die zwei jungen Burschen stellen sich als niederländische Touristen heraus, die mit ihrem Auto schon Prag, Budapest, Bratislava und weitere Städte bereist haben. Und ja: Ihr Auto steht draußen am Parkplatz, der durch das geschlossene Tor nicht mehr so einfach erreichbar ist.
Die Stimmung der Dame an meiner Hand war plötzlich auch ein wenig gedämpft, aber mit mir an der Hand ist sie solche Überraschungen schon gewohnt. Es hilft nix. Wir müssen runter zum Haupteingang.
Ich erkläre den Niederländern, dass sie sich auf einen kleinen Fußmarsch einstellen sollen. Statt 100m bis zum Auto einmal runter zum Hauptausgang und die Maxingstraße wieder rauf. Sie nehmen es überraschend gelassen. Ich wähle für uns die Route an der Mauer zur Maxingstraße runter. Damit die Burschen ein Gefühl dafür bekommen, was sie auf der anderen Seite der Mauer wieder raufhatschen dürfen. Sie wollen heute Abend noch ein wenig fortgehen und fragen uns, welche Lokale wir ihnen empfehlen würden, eh nicht lange. Morgen zu Mittag soll’s ja dann nach München weitergehen. Schwierig, dachte ich. Spontan fiel mir die Gegend ums Bermuda-Dreieck ein. Sollte schon passen.
Wir stoppeln also im Grüppchen runter und gabeln noch einen jungen Läufer auf, der uns ein Türl beim Hietzinger Platzl empfiehlt. Dort könne man immer raus. So war es auch. Ein kleiner Abschneider, immerhin. Die Mützenlady verabschiedet sich. Wir sind nun nur noch zu viert und nehmen die Maxingstraße rauf in Angriff.
Die beiden Burschen erzählen von Prag und Budapest. Und dass es in den Niederlanden nirgends sollche steilen Straßen gibt, wie die, die’s grad zu erklimmen gilt. Erste Ermüdungserscheinungen stellen sich ein, als wir in den Maxingpark einbiegen. Ich teile ihnen mit, dass daneben gleich ein Friedhof wäre. Praktisch zum Ausruhen, man ist zwar in Gesellschaft, aber keiner quatscht einen an. Vorschlag abgelehnt. Im Park meine ich zu einem von den beiden, dass ich ihr Auto schon höre. Es ruft schon nach ihnen. Die beiden hören aber nix.
Endlich am Parkplatz angekommen. Und an dem Tor, an dem wir vor 50 Minuten standen. Auf der anderen Seite. Geschafft. Wir schnaufen alle durch und wünschen uns allen einen schönen Abend.
Nur… das Auto der beiden war nicht da. „Kann nicht sein.“ Hier oben wird tagsüber kein Auto gestohlen. Wenn überhaupt. Und in der Nacht ist ja alles wunderbar ausgeleuchtet. Außerdem sind dort Wohnhäuser in der Nähe. Aber: Hilft alles nix. Der Wagen der beiden ist weg.
Jetzt den polnischen machen wäre auch nicht die feine englische Art. Also helfe ich den beiden und wähle 133. Schnell stellt sich heraus, dass ein Auto, mit dem Kennzeichen, das die beiden angeben, abgeschleppt wurde. Es stand auf einem Behintertenparkplatz. Aha.
Um 20:53 stand es nimmer dort. Sondern in Simmering. Am Falschparkerabstellplatz der MA48. Eine mir nicht unbekannte Adresse. Frust und Freude tanzten Tango mit den beiden Niederländern. Und meine Sorgenfalten tanzten Faltenrock. Dass um die Uhrzeit dort noch wer ist, schien mir äußerst unwahrscheinlich. Ich mein‘, wir sind in Wien.
Und aus genau dem Grund hatte ich 10 Sekunden später einen tiefenentspannten MA48-Mitarbeiter am Rohr, der meinte, dass ein niederländisches Auto mit der passenden Nummerntafel am Falschparkerparkplatz auf seinen Besitzer warte. „Bar, Bankomat, Kreditkarte. Alles ist möglich.“
Gut. Das Geld fürs Fortgehen ist quasi schon ausgegeben. Dafür gibt’s morgen kein Schädelweh. Sie lachen. Bleibt ihnen ja nix anderes über. Mein nächtser Call gilt einem Taxi, das schlanke 13min später um die Ecke bog. Das Budget für den Absacker an der Hotelbar auf vier Rädern.
Erleichtert und voller Dankesbekundungen rollen sie sich ins Taxi. Und entschwinden in die Nacht. Um 22:01 zische ich daheim ein wohlverdientes Bier. 5 Minuten später schicken mir die zwei ein Foto vom Auto am MA48 Parkplatz.

Wie KI alles richtig macht. Und trotzdem falsch.

Ich spiele mich gern mit ChatGPT oder auch Bild-generierenden KIs herum. Weil’s spannend ist zu beobachten, wie die künstliche Intelligenz innerhalb von Sekunden verblüffend echt aussehende Ergebnisse zu liefern. Ja, es gibt da und dort Schwächen – Hände und Finger etwa. Darüber wurde schon hinlänglich berichtet.
Was der KI aber manchmal fehlt, ist die Intelligenz.
Neulich hab ich folgende Prompts ausprobiert:

„a tiny wooden house in austria, sundown, mountains in background, a old couple sitting on a bench, watching the sun“

Geliefert wurden mir wunderschöne, idyllische Bilder. Es war alles da. Das Holzhaus. Die alpine Gegend. Berge im Hintergrund. Ältere Menschen („couple“ wurde manchmal als Paar, dann wieder als „paar“ interpretiert). Die Sonne war da. Die Menschen blickten auch in Richtung Sonne. Alle Prompts sind also brav abgearbeitet worden.
Aber irgendwas hat dann doch nicht gestimmt.

HI, AIllustrator!

Ich lese ja gerne die Quellenangabe bei Fotos in der Zeitung. Wer also das Bild gemacht hat – ob es von der/dem Fotograf:in der Zeitung stammt, von APA/Reuters o.ä. bereitgestellt wurde oder Stockmaterial ist. Manche Fotograf:innen kennt man, erkennt man vielleicht sogar und freut sich dann.
Auch bei Illustrationen ist das spannend. Manche stammen vom hauseigenen Illustrator, manche sind Stockmaterial.
Heute kam ein neuer Illustrator dazu:

Selten, aber doch gern gesehen: das Beethoven-Häusl. Manche nennen es auch „Das Fünfer-Arrangement“.

Dem geneigten Wirtshausgehern – an dieser Stelle mus sich leider dem größeren Teil der Wirsthausgeher*innen mein Bedauern aussprechen, von diesem architektonischen Kleinod im Regelfall ausgeschlossen zu sein – eröffnet sich dann und wann das wunderbare Vergnügen, eines Beethoven-Häusels ansichtig zu werden. Manche nennen es auch: das Fünfer-Arrangement. Wer jetzt ob seiner mathematischen Vorkenntnisse beim Studium der obigen Abbildung Einspruch erheben mag, tut dies aus Sicht von Adam Riese wohl zurecht, lässt aber ein kleines Manko im Bereich der musischen Bildung aufblitzen – drum Obacht beim zu flotten Urteil.
Es verhält sich nämlich so, dass dem, dem Wasserabschlagen zugewiesenen Bereich der Herrentoiletten in Gastronomiebetrieben gerne eine kleine Auswahl an passend geformter Keramik dargeboten wird, bei der auch auf die Wuchshöhe der Wasserabschlager und Wasserabschlagsvorrichtungen geachtet wird. Was natürlich von jenen löblich goutiert wird, die an Jahren oder auch Körpergröße (noch) nicht besonders große Fortschritte gemacht haben. Vielleicht spekuliert ja so manche Gastrom*in auch damit, dass sich – aus welchen Gründen auch immer – Tom Cruise oder Danny DeVito mal als Gast einfinden mag und dann, ja dann, dann wäre es doch peinlich, wenn man dem im Gastraum noch strahlenden Weltstar grad beim dringend notwendigen Strahlen klar macht, dass er anderen nicht das Wasser reichen, geschweige lassen kann.
Jedenfalls ist in solchen Etablissements für Groß und Klein gleichermaßen gesorgt, alle Größen sollen gleiche Chancen haben und entspannt der Natur ihren freien Lauf lassen können. Demokratie an der Keramik quasi.
An solchen Orten angekommen und zur Tat bereit, beschleicht mich jedes Mal schon beim Öffnen des Hosenstalls das Verlangen, Beethovens Fünfte zu pfeifen. Es ist ja nicht so, dass dieser zutiefst menschliche Akt etwa gar so dramatisch wäre – also wenn man nicht grad mit letzter Kraft den Ort des Geschehens erreicht hat oder die letzten Schritte aus gutem Grunde eher wenig raumgreifend waren, wenn es galt, das Schlimmste zu verhindern. Der Grund des musikalischen Zwischenspiels liegt ganz wo anders.
Es ist die gekonnt platzierte Anordnung der Pissoirs, die dem schnöden Gang zum Urinal einen kleinen Hauch eines Opernbesuchs verleihen.
Ta ta ta taaam.