Es ist schon ein Zeitl her, als ich so nebenbei, quasi im Vorbeifahren, ein neues Wort gebar. Geburtshelfer war die werte Dame, die mit sicherer Hand unser Pendelmobil über die Schnellstraße nachhause beförderte. Wobei ich jetzt nicht mehr weiß, welches Zuhause da grad angesteuert wurde. Ich verfüge nämlich über zwei dieser Sorte, nämlich Wien und Kleinpetersdorf. Zum einen ist mir Wien ans Herz gewachsen, die Kurze in Wien quasi mehr aufgewachsen als im Burgenland, das macht schon was mit einem. Und ich fühle mich da ja auch wohl. Zum andren liegen und wachsen meine Wurzeln in Kleinpetersdorf. Da bin ich her, da gehöre ich hin. Da will ich dereinst meinen Lebensabend verbringen. Und die Lebensnächte zum Tag machen.
Aber ich schweife ab. Zurück zur, naja, schmerzhaften Geburt eines – vielleicht – künftigen Duden-Eintrages. Es war nämlich so, dass ich tat, was ich immer tue, wenn wir von daheim nachhause fahren: Ich schau in die Gegend. Dort, wo noch keine Lärmschutzwände einem die Landschaft verbergen, kann man so einiges erblicken. Traktoren und Fahrradfahrer, Wälder und Felder, Windräder und Hochsitze, Hasen und Rehe.
Und hier wird’s dann spannend. Denn in der Gattung der Rehe gibt’s eine Untergruppe, wie ich herausgefunden habe. Ja. Rehe sind, entgegen landläufigen Wissens, keine Rudeltiere, halten sich aber ab und an in größeren Verbänden auf, wenn sie auf einem Feld den vorbeifahrenden Autos und LKWs zuschauen. So war es auch an diesem denkwürdigen Tag. Es war ein Grüppchen von elf (in Worten: 11) dieser Tiere. Der Anblick faszinierte mich und sich sagte zu der Dame an meiner Seite: „Schau, da sind Rehs.“ Sie, die Frau Duden in Person, die mit einem Blick auf eine voll beschriebene A4-Seite innert Sekundenbruchteilen drei unentdeckte Rechtschreibfehler erspäht, meinte nur: „Was ist da?“. „Na, Rehs! Da sind Rehs!“ wiederholte ich. Und schon war’s passiert. Sie begann zu lachen und ich konnte es nicht fassen, was mir da grade aus dem Mund gefallen war.
Rehs.
Ein Sammelbegriff für eine Gruppe von exakt elf Tieren der Gattung Reh. Sind es vier oder fünf Rehe, dann sind das Rehe. Handelt es sich um eine Gruppe von zwölf oder mehr, sind es Rehe. Aber stehen exakt elf beisammen, dann sind das Rehs. Ist doch simpel. Während sie weiterlachte, versuchte ich ihr den eben geborenen Sachverhalt näherzubringen, was sich als schwierig herausstellte. Klar, sie war ja aufs Autofahren konzentriert und in diesem Moment für derlei komplexe Neuerungen der Rechtschreibung nicht empfangsbereit. Schließlich hatte sich sich beruhigt und anerkannt, dass es eben so ist:
Rehs: eine Gruppe von elf Tieren der Gattung Reh
Seitdem sind meine Wildtierbeobachungen stets von einer Zwischenfrage begleitet, wenn ich wiedermal Rehe erbicke und dies meiner Dame zur Kenntnis bringe: „Bist du dir sicher, ob’s nicht Rehs sind?“
Kategorie: dies & das
Weil heute ja #WeltPinguinTag ist, ein kurzer etymologischer Einschub.
Der wohlgeschätzte Duden-Verlag hat, anlässlich des heutigen Weltpinguin-Tages (vielleicht schreibt man ja auch Weltpinguin-Tag oder gar Welt-Pinguin-Tag – ich weiß es nicht), einen Tweet abgesetzt, indem es um den ungeklärten etymologischen Hintergrund des Gattungsbegriffs „Pinguin“ geht.
Was mich natürlich stutzig machte. Es kann doch nicht sein, dass man nicht weiß, woher der Begriff stammt. Einfach vom Himmel wird er nicht gefallen sein, er stand wahrscheinlich auch nicht auf der Rückseite der Steintafeln mit den 10 Geboten. Obwohl: Wer weiß?
„Nun, den Damen und Herren der Rechtschreibbibel kann geholfen werden!“ dachte ich mir und lies mal einen kleinen Pinguin durch meine Gehirnwindungen rauschen und schon hatte ich die Lösung, die simpler nicht sein könnte. Der Name PINGUIN ist ein zusammengesetzter Begriff, seine Herleitung erschließt sich jedem, der ein wenig Beobachtungsgabe hat.
Da wäre einmal der erste Teil des Namens: Pin
Wer schon mal beim Bowling war, erkennt sofort, dass die Umrisse eines Pinguins und die eines Bowling-Pins schon frappierende Ähnlichkeiten aufweisen.
Und da wäre noch der zweite Teil: Guin
Hier wird’s ein wenig diffiziler, aber nicht weniger logisch. Denn das „Guin“ ist Teil des – bei Naturliebhabern sehr beliebten – Bieres namens Guinnes.
Wie schon oben angedeutet, ist nun jedem, der über ein Mindestmaß an Beobachtungsgabe verfügt, klar, woher der Begriff PINGUIN stammt. Der Name dieser wunderbaren Tiere hat seinen Ursprung im Watscheln der Pinguine, das so aussieht, als würde ein mit Guinnes abgefüllter Bowling-Pin aus einer Bar torkeln.