Wenn jemanden etwas geglückt ist, ist es nicht selten, dass man mit „Herzlichen Glückwunsch“ gratuliert – das kann eine Vaterwerdung, der Gewinn einer Auszeichnung oder ein zusätzliches Jahr am Buckel sein.
Es ist quasi „Glück wünschen“ im Nachhinein, wenn die Sache schon längst gelaufen ist, wenn vielleicht gar kein Glück vonnöten war, pures Können den Ausschlag gab oder einfach nicht vorhandenes Ableben.
Wasser wird zu Quecksilber


Und zwar in einem Rotkrautblatt.
Schatten sind manchmal so richtig gemeine Petzen.

Blindschnitt
Wenn man einen Frisiersalon eröffnet, dann braucht man halt auch einen knackigen Namen. Nur, die guten sind halt alle schon vergeben. Wem das Muster „Salon Gerti“ zu bieder ist und einem auf der Suche nach einem noch nicht verwendeten Kalauer nur noch ein „Hairjemine“ auskommt, dann muss man eben tief in die Trickkiste greifen. Wobei man hier den Schlüssel für eben jene wohl nicht gefunden hat.

Ich hoffe nur, dass der Mensch an Schere und Föhn nicht so blind ist, wie der Name des Salons verspricht. Allerdings, der Name des Partnerbetriebes, der dem Haar der Herren zuleibe rücken soll, liegt dann schon auf der Hand.
Rauf und runder.


Schau! Da sind gebog’ne Stiegen.
Treppen die sich kunstvoll biegen,
sonderbar ovale Stufen
lassen mein Aug‘ „Obacht“ rufen.
Ein ohrenbetäubender Anblick.
Da gibt es einen Musiker in meiner Wiener Hood. Er ist schon etwas älter, ich schätze, dass der Herr weit über 70 ist. Er wohnt in einer Seitengasse in einem kleinen Mehrparteienhaus hinter einem kleinen, gepflegten Vorgarten.
Abends, wenn ich so meine Runde geh‘, komm ich da gelegentlich vorbei und werde manchmal Ohrenzeuge seiner Musikliebe. Im Sommer spielt er nämlich bei offenen Fenster gerne Querflöte, an manchen Tagen auch Geige. Manchmal gibt er offenbar auch Unterricht und dann fiedeln und querflötieren sich seine Schüler oder Studenten durch Notenblätter und durchfluten den Vorgarten mit klassischer Musik, ein bisschen davon plätschert dann auch auf das kleine Gässchen. Sie sind alle Meister ihres Faches, kein falscher Ton knickt hier auch nur einen Grashalm.
Immer, wenn ich an dem Haus vorbei komme, werfe ich im Vorbeigehen unweigerlich einen kleinen Blick durch die alten Kastenfenster. Meist sind sie offen und man hört seine Liebe zur Musik. Wenn’s kühler ist und die Fenster geschlossen sind, spürt man die Töne, die Leidenschaft, die er in jede Note steckt, welche er mit seinen Fingern in Schwingungen verwandelt, die Herzen höher schlagen lassen.
Unlängst, es war ein sehr lauer Abend, war es still. Ein paar Vöglein machten zwar Musik, aber durch die Gasse kam nichts geigiges oder querflötiges daher. Als ich an seinem Haus ankam, sah ich, dass er neben dem Fenster sitzend Notenblätter studierte.
Er nickte im imaginären Takt mit dem Kopf und bewegte seinen Oberkörper und die Arm wie ein Dirigent. Was muss sich da wohl in seiner Phantasie für ein orchestrales Meisterstück abgespielt haben. Pauken, Trompeten, Geigen und Flöten – ein ganzer Orchestergraben musizierte wohl in seiner Vorstellung beim Lesen der Noten. Ein ohrenbetäubender Anblick.
War es Mozart oder Beethoven? War es sein eigenes Werk? Ich werd’s wohl nie erfahren. Aber eines weiß ich: Ich hätte unheimlich gerne gehört, was sich da in seinem Kopf an Musik abgespielt hat.
Animalische Abendrunde
Glühende Würmer,
fledernde Mäuse,
feldende Hasen,
bockendes Reh,
spannend Getier
das ich da seh‘.
Where The Streets Have Now Names
Vor kurzem habe ich hier meinem Nachbardorf Kleinzicken ein paar Zeilen gewidmet. Geschuldet war dies der Tatsache, dass der Ortsname eine kleine Kuriosität in sich birgt, die dann wie ein kleines Juwel zutage tritt, wenn man sich ein wenig näher damit beschäftigt. Seitdem ist jede Menge Wasser die Zicken runter geronnen, das Geheimis über den Verbleib von Großzicken hat sich aber noch nicht lösen lassen. Aber ich verspreche, dass ich da dran bleibe.
In der Zwischenzeit hat sich aber wieder einiges getan. Denn der zusammengewachsene Ortsverband Kleinpetersdorf-Kleinzicken wurde einer gnadenlosen und umwälzenden Reform unterworfen, die das Ortsbild doch massiv verändert hat. Es gibt nämlich neuerdings Straßenbezeichnungen. Vorbei die Zeit, in der es einem beim Hören von „Where The Streets Have No Name“ nicht nur die Gänsehaut aufzieht, sondern über diese auch noch ein gerüttelt Maß Heimatgefühle drübergestreut wurde. Aus der Traum, dass U2 mal beim Zickenwirt im Saal konzertieren. Eine vergebene Chance. Unwiderbringlich.
Wie in einer Großstadt hat jetzt jedes auch noch so kurze Wegeblinddärmchen einen eigenen Namen, das kürzeste bietet gar nur drei Hausnummern eine Heimat, wobei von den frisch nummerierten Parzellen nur eine bebaut ist. So kommt es nun, dass in Kleinzicken, das bis Ende Feber (der Kalendergott hat es mit dem Schalttag ja noch gut gemeint und der alten Haus- und Straßenordnung noch einen Tag spendiert) am Hausnummern-Highscore-Haus noch ein stolzes 65 prangte, dieses nun in seiner Gasse auf Nummer 15 runterdegradiert wurde. Aber als Gegenleistung verfügt Kleinzicken sage und schreibe über sieben mal Hausnummer 1. Auch nicht schlecht für ein Dörflein, das man in einer halben Minute mit dem Auto passieren kann.
Das Kuriosum, das mit der neuen Straßenbenamsung jetzt dazugekommen ist, kommt einem eben bei der Fahrt durch die beiden Orte unter. Denn die vermeintliche Hauptstraße des Dorfverbandes darf nicht Hauptstraße heißen. Das hat nämlich den Grund, weil in der Gemeinde Großpetersdorf mit den Ortsteilen Großpetersdorf, Kleinpetersdorf, Miedlingsdorf, Welgersdorf und Kleinzicken jede Straßenbezeichnung nur einmal vergeben werden darf. Und „Hauptstraße“ war da eben schon mal schnell vergriffen.
Die Suche nach geeigneten Straßenbezeichnungen erwies sich als eher sperrig, es gab eine Dorfversammlung, die eher spärlich besucht war und in der Tier- und Blumennamen gewälzt wurden. So kamen dann eben Lavendel und Falken zu ihren Ehren und auf Straßenschilder. Aber auch ein wenig Großstadtflair fand Einzug in die Provinz. So kann man sich das Flanieren auf gar teurem Pflaster in Wien und Salzburg sparen und beim Marsch durchs Dorf ein wenig Shopping-Feeling genießen.


Die Verkehrshauptadern sollten jedoch ganz besondere Namen erhalten. Eine Variante, der gemeinen Gemeinde und ihrem Willen, dem gemeinen Volk plötzlich Straßennamen aufzuzwingen, war, dass man Anleihen in der Hauptgemeinde, in der Bezirkshauptstadt, ja sogar in der Bundeshauptstadt nehmen wollte. Also, die Steinamangerer Straße in Großpetersdorf ja heißt so, weil sie nach Steinamanger bzw. Szombathely führt. In Oberwart gibt es die Wiener Straße, weil sie einen nach Wien geleitet. Und dort wiederum kennt man die Triester Straße, die ihren Namen deshalb hat, weil sie gen Süden direkt nach Triest weist. Die Mechanik der Straßenbenamsung ist also nicht an den Haaren herbeigezogen und – wie man sieht – weithin bewährt.
Deshalb schlugen verquere Köpfe vor, die Hauptstraße in Kleinpetersdorf in „Kleinzickener Straße“ umzubenennen, jene in Kleinzicken sollte „Kleinpetersdorfer Straße“ heißen. Eine einfache, nachvollziehbare und logische Sache also. Die Anschrift an der Durchzugsstraße in Kleinpetersdorf würde also diesem Muster folgen:
7503 Kleinpetersdorf
Kleinzickener Straße Nr. xx
In Kleinzicken gilt selbiges dementsprechend mit umgekehrten Ortbezeichnungen. Die Sache hätte Charme und würde dem Beamtenmoloch der Straßennamensbürokratiediktatur die lange Nase zeigen. Die einzigen, die da was dagegen haben könnten, wären die Mopedgriffe der Praktikanten von der Post, denn die würden keinen Sommer ohne Beißspuren überleben.
Aber aus unerfindlichen Gründen wurde dann dieser Gedanke doch nicht weiter verfolgt.
Es ging dann doch eher pragmatisch zu, schnell war man sich einig und wollte in einer etwas abgespeckten Variante von Völkervereinigung in Sachen Straßennamen auch eine emotionale Annäherung zur Geltung bringen.
Man muss nämlich wissen, dass Kleinpetersdorf und Kleinzicken erst in der jüngeren Geschichte zusammengewachsen sind. Auf dieser dieser mit 1821/1836 datierten Karte ist klar zu erkennen, dass die beiden Orte durchaus mehrere Steinwürfe voneinander entfernt waren. Und diese Trennung ist halt immer noch in den meisten Köpfen der hiesigen Bevölkerung tief und unverrückbar eingebrannt.

Schließlich gewann der Pragmatismus und man fand Gefallen daran, die Durchzugstraße in Kleinpetersdorf als „Obere Dorfstraße“ und in Kleinzicken als „Untere Dorfstraße“ zu bezeichnen. Hier muss erwähnt werden, dass „oben“ und „unten“ im Dorfverband als Orientierungsangaben dienen, „oben“ ist als nordwärts, „unten“ als südwärts zu verstehen. Alles schien seine Ordnung zu haben, alle waren zufrieden, alle fanden sich mit der Lösung ab, die ungeliebte, aufgezwungene Suche nach einer passenden Straßenbezeichnung hatte ihr Ende gefunden. Schien es zumindest.
In Kleinpetersdorf wollte man sich dann doch nicht mit dieser Obere-Untere-Verschränkung an Kleinzicken ketten und man entledigte sich einfach des „Obere“ in der Bezeichnung „Oberen Dorfstraße“. Möglich machte diesen Kniff ein Blick in die Landkarten, denn der offenbarte, dass es im ganzen Gemeindegebiet noch keine „Dorfstraße“ gab. Das unnötige Anhängsel „Obere“ war gar also nicht notwendig. Ha! Also weg damit! „Dorfstraße“ ist kürzer und klingt auch besser. Nur – das war dann das Bittere für Kleinzicken – war dies eben nur für einen Ort möglich, weil ja, wie wir wissen, im ganzen Gemeindegebiet jede Straßenbezeichnung nur einmal vergeben werden darf. Kleinzicken hat also jetzt den schwarzen Peter.
So heißt in Kleinpetersdorf die Durchzugsstraße also „Dorfstraße“ und in Kleinzicken „Untere Dorfstraße“. Andererseits: Kleinzicken ist um ein weiteres Kuriosum reicher. Denn mit der Frage: „Wo ist die „Obere Dorfstraße“ in Kleinzicken?“ umweht nun ein weiteres Mysterium den kleinen Ort im südlichen Burgenland. Böse Zungen behaupten ja, dass diese Straße in Großzicken zu finden sei.
Aber da müsste zuallererst Großzicken gefunden werden.
Manchmal sind Wasserlacken einfach nur Quell des Kitsches.


Warum ein Flummi stärker ist als Gewehrsalven.
Unlängst hatte ich kurz Zeit, um an einem Platz in Wien die Gelegenheit zu genießen, ein Weilchen verweilen zu dürfen.
Einem kleinen Bub, vielleicht 4 Jahre alt, der mit seinen Eltern unterwegs war, war wohl fad, weil die mehr damit beschäftigt waren, sich vor Sehenswürdigkeiten zu stellen und selbst zu selfien. Er hatte ein kleines Schirmchen mit dabei, quietschbunt und fein säuberlich zusammengerollt.
Er blickte mich an und nahm sein Schirmchen hoch. Dann legte er auf mich mit dem Schirm an, als hätte er ein Gewehr in der Hand. Ich runzelte die Stirn und schüttelte den Kopf. Der wird doch nicht…
Und er tat. Er machte Schussgeräusche, leise zwar, aber ihn freute wohl, dass er ein „Opfer“ gefunden hatte.
Aber er hat nicht mit meiner Gegenoffensive gerechnet. Und die war verheerend für den Knirps mit dem Knirps.
Ich hatte nämlich einen Flummi mit dabei. Und den hab ich als erste Abwehrreaktion aus meiner Hose geholt und dann genüsslich aufgepeppelt. Für jede imaginäre Patrone des Kleinen gab es ein erschütterndes, gnadenloses Auftitschen des Gummigeschosses.
Und er hat oft geschossen.
Er hat natürlich sofort kapituliert, den Schirm runtergenommen und die herbe Niederlage mit gesenkten Haupt eingestanden. Zuflucht fand er am Ärmel seiner Mama. Ich verstand zwar nicht, was er gesagt hat, aber es war offensichtlich, dass er aufrüsten wollte. Die Suche nach dem nächsten Kaugummiautomaten mit Flummiausgabe wird die Eltern ein wenig beschäftigt haben.