99 Wörter …

… soll sie haben, die geschichte für den Ultra! Short! Stories! wettbewerb.

2.Spalte, 7. von oben
Sonntag Vormittag. In seinem Stamm-Café. Die Betriebsamkeit des Personals beruhigt ihn. Alles normal. Nein. Sie. Sie ist da. Gestern hat er noch an Sie gedacht. Ohne Sie zu kennen. Sie blättert. Er wagt kaum rüber zu blicken. Sie blättert weiter. Eine Seite noch. Jetzt. Er verfolgt ihre Augen. „Nach links oben“ versucht er Ihr telepathisch mitzuteilen. Jetzt. Sie tut es – Sie muss es einfach tun. Die Spannung zerfetzt fast sein Herz. Ihre Augen sind starr. Fett. „Ehrlich, 45/168/77“. Er hats extra fett drucken lassen. „Aufrichtig und seriös – so wie sie. Chiffre 321234.“ Lächelnd notiert Sie etwas auf ihre Serviette.

via Zorra

12,80

ja, gestern hab ich mich noch über die rasche streik-stau ausweichende fahrgemeinschaftsbildung gefreut.
und heute?
warten.
warten.
warten.
ich war pünktlich.
sie war pünktlich.
die anderen waren pünktlich.
leider war ich am richtigen ort.
sie nicht.
45 min tapfer warten.
dann „pfeif drauf“- und mit taxi ins büro.
taxi
12 Euro 80!
ohne stau – dafür mit grantelnden und motorradfahrer anpöbelnden taxler,
der heute schon mächtig geschäft gemacht hat.
so – und jetzt taxi-rechnung gut aufheben und am monatsende mit den gesammelten zum cheffe.

erkenntnisse

freitags urlauben bedeutet montags hohen blutdruck.
zögern ist nicht gut.
mc-sommer deto.
schleifmaschine auf lockerem Brett klingt wie eine katze.
putzfrauen sind manchmal zu eifrig.
sonnenfinsternis lohnt frühes aufstehen.
tastaturen von kelleginnen können nervtötend laut sein.
16-uhr-termine finden nie um 16-uhr statt.
die besten bürokaffeetassen sind immer aus.
heute hat armin namenstag – kenn aber keinen, den ich gratulieren könnt.
streik-fahrgemeinschaften bilden sich wie von selbst.
es sind nie alle informiert.
fahrradglockengebimmel unterm fenster macht noch kein amsterdam-feeling.
16-uhr-termine finden jetzt statt.

taschengeld

heller
2 x €2 (beide Ö)
1 x €1 (Ö)
3 x 50 Cent (alle Ö)
7 x 20 Cent (ein D, Rest: Ö)
10 x 10 Cent (alle Ö)
3 x 5 Cent (Ö)
5 x 2 Cent (Ö)
4 x 1 Cent (ein D, Rest: Ö)
befinden sich jetzt in der rechten fronttasche meiner jeans.
ist schwer,
praktisch im supermarkt,
lästig beim anpirschen,
beult die hose aus,
schmirgelt mein victorinnox ab,
zermalmt achtlos in die hose gesteckte kassazettel
und macht lustige geräusche in der waschmaschine.

kein verlass

die morgentliche auswahl meiner heutigen garderobe ist vom wetterbericht beeinflusst.
erstmals.
letztens hab ich diesen ja nicht berücksichtigt – deshalb jetzt auch der enorme zewa-softies-verschleiß.
blöd ists allerdings, wenn abkühlung, regen und gewitter versprochen werden, man sich „vernünftig gekleidet“ (bosockt, besneakert, bejeant und betshirtet) aus dem haus begiebt und die sommer-variante (besandalt, behost, behemdet) im kasten lässt.
und jetzt schwitz ich.
wuäh.
der schweiß schwemmt die reste aller motivation aus meinem leib.
ich sitz nur da, atme und schnäuze.
danke wetterbericht.
danke vernunft.
danke vor-sommer.