Wiens widerborstige Wildenten

Auf der abendlichen Schönbrunnrunde. Ein Wildentenpärchen sitzt gemütlich mitten am Weg, alle Spaziergänger weichen freundlicherweise großräumig aus. Nun kommt ein Streifenwagen langsam des Weges. Wieder weichen alle aus. Nur die Enten nicht. Die schauen der Choreographie interessiert zu. Der Wagen hält. Dem Gefieder ist das aber reichlich egal. Die Polizisten schauen die Enten an, die wiederum den Einsatzwagen. Keiner rührt sich. Gegenseitiges Belauern. Nach einer gefühlten Ewigkeit folgt das Unausweichliche: Es kommt zur Amtshandlung.
Die Beifahrertür geht beherzt auf, ein hochmotivierter Gesetzeshüter schreitet zur Tat. Strammen Schrittes geht er auf die beiden Widerborste zu. Es folgen intensive, raumgreifende Flatterbewegungen begleitet von einem eindringlichen „Husch husch“-Gequake. Doch das alles zeigt keinerlei Wirkung.
Nein, die Tierchen sind nichteinmal unbeeindruckt von dem Gehampel. Sie wähnen die Darbietung wohl als misslungenen Flugversuch und quittieren es mit zurückhaltender Ignoranz. Lachen wäre unter ihrer Würde. „Wir sind ja keine Hühner nicht!“ denken sie insgeheim. Das Exekutivorgan ist immer noch motiviert bis in die Haarspitzen, es ist also gezwungen, zu härteren Maßnahmen zu greifen. Der Polizist geht gezwungenermaßen in den Infight.
Er bäumt sich auf und geht dann in die Knie. Kurz bevor die langen Arme des Gesetzes die Enten zu fassen kriegen, lässt sich das Pärchen dann doch noch dazu bewegen, den Weg für den Streifenwagen frei zu machen. Man will ja nicht so sein. Schnell huscht der Nachwuchs-Konrad-Lorenz ins rettende Vehikel und die Fahrt kann fortgesetzt werden.