Unter Laternen

Als die Kurze noch im Kindergarten war, haben dort die Kids ein paar Tage vor dem großen Umzug ihre Laternen gebastelt. Am selben Abend waren die Eltern geladen, bei Glühwein und Keksen, die Kunstwerke fertig zu basteln.
Nun, in unsere Clique haben sich die Väter ausgemacht, den Abend bastelnd, plaudernd und glühweindend miteinander zu verbringen. Die Laternen wurden flott und (fach-)männisch zusammengeschustert und es wurde penibelst darauf geachtet, dass vom Glühwein ja nix übrig bleibt.
Die Kindergartenpädagoginnen waren müde und wollten endlich nachhause. Wir nicht. Also machten wir uns auf, den angebrochenen Abend nicht einfach so abzubrechen. Wäre ja noch schöner. Und noch schöner waren die fertig gestellten Laternen. Das kann doch nicht unbefeiert bleiben.
Also machten wir uns auf zum nächsten Wirten, der in Sichtweite lag, nicht mal ein entflammtes Streicholz entfernt, das uns den kleinen Abschneider vom Kindergartenhinterausgang zum Wirtshaushintereingang den Weg glomm.
Dort eingefallen, war schnell die erste Runde Bier bestellt. Ein paar Würstl – vernunftshalber – ebenso. Und es entspannen sich spannende Gespräche. Über dies und das, Anekdoten von den Kindern. Es wurde lustig und lustiger und später und später.
Langsam bekammen die Buben einen Dampf und wie das halt so ist, wenn eine Dampflokomotive mal in Schwung ist, wer kann die denn dann schon so schnell aufhalten?
Eben!
Man muss sie laufen lassen und drauf achten, das sie nicht entgleist. Oder zumindest es versuchen.
Die Zeiger der Uhr waren wie Weichen, die sich immer neu stellten, ehe der Wirt das letzte Bier auf den Tisch stellte und bald die Bude schloss.

Und wir beschlossen auch. Nämlich die letzte Chance zu ergreifen. Nämlich den nächsten Wirt auf- und heimzusuchen.
Es gingen hierbei zwar einige Waggons verloren, die in weiser Vorausahnung das Gleis wechselten, während ich mit zwei anderen Laternenfertigbastlern tatsächlich noch einem offenen Zapfhahn ein letztes Krähen entlocken konnten.
Der Druck im Kessel wurde nicht geringer, ich fand mich plötzlich in der Situation wieder, dass ich nur noch Passagier war und meinen beiden Begleiter schließlich das Ventil wegflog. Und schon ward aus dem gleichmäßigen Stampfen einer Lok ein wüstes Schnauben zweier Kelomaten.
Erst flogen derbe Worte, dann auch handfestes. So schnell ist aus einer Bastelei im Geiste des Heiligen Martin eine Rangelei der im Geiste Benebelten geworden. Und ich mittendrin.
Doch so flott ein Unwetter auch aufzieht, verzieht es sich auch wieder.
Mahnende Worte und drei Stamperl später war der Druck wieder raus und wir auch. Versöhnliche Worte im Ohr geleiteten uns dann wieder heim. Wie’s der Zufall halt so wollte, musste jeder an der Kreuzung in eine andere Richtung dem Bette entgegen suchen.
Das Laternenfest war natürlich wunderschön, die Laternen die schönsten, die der Kindergarten je zu sehen bekam.
Im Jahr drauf wurden die Eltern wieder gebeten, etwaige, nicht fertig gewordene Laternen am Abend bei Glühwein und Keksen gemeinsam zu komplettieren.
Aber aus unerfindlichen Gründen wurden diesmal wir Väter davon nicht unterrichtet und die Mütter übernahmen die lästige Laternenfertigbastelpflicht.

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