Dass man auf 57er Chevys abfährt, ist weithin bekannt und wird gern inbrünstig besungen. Nicht weniger steil ist dieser 58er Caddy, ein Schlachtschiff der Sonderklasse, mit Flossen sonder Zahl, Chrom an allen Ecken und Kanten und dem Odeur eines fetten Lederpanoramas, das Sonnenmilch, Schweiß und Freiheit nur so nach außen brüllt. Heute muss man schon selbst eine Tankstelle betreiben, um dem Gefährt genug Sprudel durch die Zylinder laufen lassen zu können, denn diese Heroes der Highyways schlucken immer noch ähnlich viel wie good ol‘ Dean, Franky und Sammy an einem dieser Abende, die sich in Nächte auswuchsen und erst früh morgens endeten. Man möchte fast glauben, man höre deren leicht eingedieseltes Lachen, wenn die 6 Liter des wahnsinnig überdimensionierten V8 anheben, über die Route 66 zu erzählen.
„Sou groß is mei Puul a wieda ned. Deis bissl Wossa is a scha wuascht. Und as Auto hob i bis hiaz a jedn Saumsta gwoschn. Deis woa scha imma sou. Da Rosn gheat a gspreingt, is jo sou trucka, wal wia schaut da deis aus sist!“
Dann bekommen manche schon schreckensgeweitete Augen und schmerzverzerrte Gesichter. Aber mal von vorne. Es war nämlich so. Gestern durfte ich im Hianznbräu in Großpetersdorf auf Einladung des Verlags lex liszt 21 gemeinsam mit Michael Hess eine Lesung halten. Der Innenhof war gut besucht, es gab auch frisch gezapftes Bier und das lieraturdurstige Publikum harrte den Geschehnissen. Als Tüpfelchen auf den i war dann auch noch Berti Unger mit dabei, der zwischendurch auf seiner Klampfn Austropop vom Feinsten spielen sollte. Ehe es losging, checkte ich nochmal die Lage und wurde immer nervöser.
Schließlich ging’s los und Michi eröffnete den Abend mit einer Begrüßung und Vorstellung der Protagonisten. Ich blickte derzweil durchs Publikum und stellte einerseits traurig, aber auch erleichtert fest, dass sich niemand aus Kleinzicken im Publikum befand. Den ersten Lesebeitrag – Auf der Suche nach Großzicken – konnte ich also gefahrlos zum Besten geben. Es ging gut, die kleine Schmähung der Dorfnachbarn kam gut an, die Nervösität sank. Nun kam eine Ambros-Nummer dran und spülte die Gehörgänge der Zuhörerschaft durch, ehe Michi mit kurzweiligen Texten für Lacher sorgte. Dann war wieder Austropop dran und wieder ich – das Literatur-PingPong war fein in Schwung gekommen. Es floß Bier und Schweiß und Schweiß und Bier. Und ein wenig bierselig, griff ich dann vor Publikum zur oben erwähnten Axt. Was für Schrecken, Angst und Erstaunen sorgte. Aber eben keine Angst. Es geschah aus illustrativen Gründen. Ging es doch darum, mein zweiteiligen Maniküre- & Pediküre-Set „Rough Rouge“ vorzustellen. Die Begeisterung ließ aber – aus unerfindlichen Gründen – zu wünschen übrig: keine einzige Bestellung! Ich bin immer noch ein wenig enttäuscht, das muss ich ehrlich zugeben. Dann kam wieder Michi ans Mikro, der Berti klampfte und zum Abschloss nutzte ich nochmals die Gelegenheit, den Kleinzickner:innen mit dem Text Where the Streets have now Names einen weiteren, kleinen Seitenhieb zu verpassen. Was dann auch der Schlusspunkt der Lesung war. Es gab noch eine handvoll austropopische Takte, viele Gespräche mit den Menschen aus dem Publikum und die Erkenntnis, dass ich wohl für einen Eintrag in die Geschichtsbücher gesorgt hab: Weil nie zuvor gab es eine Lesung, bei der jemand unter Biereinfluß am Podium ein Hackl gezückt hat.