Also es ist so. Seit dem letzen Mal Meer zwischen den Zehen spüren sind schon 7 Zwergenjahre vergangen.
Da tut es schon absolut gut, kaum aus den Taxi rausgepurzelt, gleich mal dem entsalzten Laufwerk wieder die Schwimmhäute unter lautstarkem Gehache auf Betriebstemperatur zu bringen.

Und kaum griechisch besalatet, bebiert, beoktopusst und berakit geht’s auch schon mal ins Hinterland, weil Meer kann jeder. Was nicht unschlau war, weil wenn man vor hat, sich zeitnah ein wenig automobil der Insel zu widmen, tut es gut, sich mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut zu machen. Was nicht nur vermutet wurde, sich auch später als Tatsache herausstellte: Verkehrszeichen haben auf dem wunderschönen Eiland eher dekorativen Charakter, sie als Verhaltensempfehlung einzustufen wäre dann doch etwas übertrieben.

Natürlich ging’s auch dann wirklich ins Wasser. Und dann in die Taverne. Bikini und Badegehös hernach vom Windbrieserl trocken lassen, klingt ja jetzt nicht so falsch. Aber wenn dann Aiolus zu Späßen aufgelegt ist, ist Schluss mit lustig.

Klar. Griechenland ohne Tavernen ist wie Griechenland ohne Taveren. Im Urlaub bin ich ungern der anonyme Tourist, sondern gern auch mit den Menschen dort im Gespräch. Da fällt dann schon mal der eine oder andere „Geheimtipp“ ab. Und die sind oftmals mehr als perfelt. Jedoch fürs Politisieren mit Artischocken kann ich mich selbst bei 36 Graden nicht erwärmen.

Aufs Meer folgt wieder Hinterland. Und dessen Unbill.
„Kaktus? Feige? Ich? Niemals!“ tönt Christophopolos.
„Übermut tut ehschonwissen“ antwortet die Kaktusfeige.
Und schon bringt die flinke Kellnerin passendes Besteck, desillusioniert den Rost mit Raki und die Dame entstachelt den sich als unbestechlich Wähnenden mit schmerzbefreiter Miene. Selbiger Zustand braucht beim Verfasser das eine oder andere Bier, welche aber würdevoll und ohne großes Herumgejammere eingenommen wurden.

Wer kennt sie nicht die Schilder an den heimischen Ortstafeln, die stolz auf Partnergemeinden hinweisen. Nicht oft sind die außerhalb Österreichs, manchmal sogar auch auf einem anderen Kontinent zu finden. Bei Inseln dürfte es ähnliche Gebräuchlichkeiten geben. In einem Lokal verweisen die Kreter stolz, mit den in einen massiven Holztisch gebrannten Umrissenen, auf ihre Partnerinsel.
Vielleicht errät ja irgendjemand, welche diese ist.


Wenn die Beaufort sich als Rudeltiere wähnen und man sich nicht an Strand sandstrahlen lassen möchte, schnallt man sich Barfußschuh (ja, ich weiß) ans Geläuf und nimmt die Dame für einen kurzweiligen Spaziergang durchs Hinterland an die Hand.
Diverse Navigationsunzulänglichkeiten und x-faches „Nur mal kurz da ums Eck schauen“ bei eher schütter ausgewiesenen Pfadmarkierungen kommt man dann mehrere Stundenzeigerumdrehungen später doch noch schafsböckig um das ziegenköttelbewehrte Felsmassiv herum, entkräftet der nächsten Bar entgegen hächelnd mit letzter Kraft ein Bier ordernd.
Die Dame hat den Knaben wiederholt in die rettende Zivilisation gelotst, was auch immer sie schlussendlich mit ihm vor hat, man wird es hier nicht lesen können.



Outdoor ist auf Kreta alles pipifein. Indoor auch. Also fast. Unsere Kemenate verfügte auch über eine kleine Küchenzeile. Diese spartanische Ecke in unserem Zimmer offenbarte unverkennbare Spuren, dass hier vor nicht allzu langer Zeit jemand Tantalösliches erlebt haben könnte.

Die Festlandgriechen haben das Orakel von Delphi. Die Kreter haben ihren Kokastelo. Der ist hierorts offenbar dafür bekannt, dass er auf alle Fragen eine Antwort hat.
Inwieweit diese dann auch mit statistisch belastbarer Wahrscheinlichkeit in die Nähe einer Richtigkeit kommt, ist vom hiesigen Fremdenverkehrsamt beim besten Willen nicht herauszubekommen. Aber wenn die das hier schon auch für deutschsprachige Tourist:innen auschildern, dann dürfte schon eine deutliche Evidenz dafür vorhanden sein, dass der Kokastelo kein Scharlatan nicht ist.

Strand und Leute sind ja heiß und herzallerliebst. Aber Iseln haben die Eigenschaft, rundum mit Meer versehen zu sein. Und deshalb ist man dann auch angehalten, sie dem meerumschlossenen Teil Kretas zu widmen.
Deshalb haben wir abermals mal kurz ins Hinterland geschaut, weil das kleine Ortschaftl da hinten, hinter dem Ende des Strandes, schaut irgendwie ganz lieb aus und dann können wir ja das Straßerl rauf, über den Rücken rüber wieder auf der Rückseite runter ins Dorf, am besten so, dass wir in der einen empfohlenen Taverne so um zwei dann für eine Kleinigkeit in die Töpfe schauen.
Ja.
Eh.
Es wurde dann doch ein wenig anders. Wobei, der Schrittzähler war vollauf begeistert. Doch ein eher schütteres Wegenetz, weitläufige, eingezäunte Olivenhaine und ein absolut unbedeutsamer Farangi – ich mein, was da als Bacherl im Dorf ins Meer rinnt, ist ja nicht mehr als ein jämmerliches Rinnsal – haben dann doch dazu geführt, dass das eine oder andere „Nur mehr um die Kurve rum und dann sind wir drüben am Gegenhang, wo‘s dann flott runter geht.“ nicht unbedingt zum gewünschten Ergebnis geführt haben.
Die Einsicht, dass die Kreter eindeutig zu wenig Brücken bauen, half allerdings nicht über die Erkenntnis hinweg, vor der rettenden Einkehr eine einschneidende Umkehr zu machen. Hab ich den Schrittzähler schon erwähnt?
Also jedenfalls war das kleine Vorverdauungsrunderl dann doch etwas länger, das Tavernerl kam auf die Das-machen-wir-beim-nächsten-Mal-wenn-wir-da-sind-Liste und der nächste Supermarkt hat ein großes Bier verkauft.
Ist ja auch was.
Und dann, dann war’s auch schon wieder vorbei mit der Griechenlandhinterlandherumkriecherei. Während ich den letzten kretischen Sand zwischen den Zehen in den eigenen Garten rieseln lasse, denke ich mit echtem Wehmut an griechisches Häuselpapier, das es offenbar auch in rund und zarterer Körnung gibt. Entdeckungen am letzten Tag – sie sind oft nur des Hohnes wegen auf der Welt.
