Fünf Flederanten flattern freudig flink firmamentwärts.
Wenn man beim Biertrinken zum Hackl greift.

Dann bekommen manche schon schreckensgeweitete Augen und schmerzverzerrte Gesichter.
Aber mal von vorne.
Es war nämlich so. Gestern durfte ich im Hianznbräu in Großpetersdorf auf Einladung des Verlags lex liszt 21 gemeinsam mit Michael Hess eine Lesung halten. Der Innenhof war gut besucht, es gab auch frisch gezapftes Bier und das lieraturdurstige Publikum harrte den Geschehnissen. Als Tüpfelchen auf den i war dann auch noch Berti Unger mit dabei, der zwischendurch auf seiner Klampfn Austropop vom Feinsten spielen sollte.
Ehe es losging, checkte ich nochmal die Lage und wurde immer nervöser.

Schließlich ging’s los und Michi eröffnete den Abend mit einer Begrüßung und Vorstellung der Protagonisten. Ich blickte derzweil durchs Publikum und stellte einerseits traurig, aber auch erleichtert fest, dass sich niemand aus Kleinzicken im Publikum befand. Den ersten Lesebeitrag – Auf der Suche nach Großzicken – konnte ich also gefahrlos zum Besten geben. Es ging gut, die kleine Schmähung der Dorfnachbarn kam gut an, die Nervösität sank.
Nun kam eine Ambros-Nummer dran und spülte die Gehörgänge der Zuhörerschaft durch, ehe Michi mit kurzweiligen Texten für Lacher sorgte. Dann war wieder Austropop dran und wieder ich – das Literatur-PingPong war fein in Schwung gekommen.
Es floß Bier und Schweiß und Schweiß und Bier. Und ein wenig bierselig, griff ich dann vor Publikum zur oben erwähnten Axt. Was für Schrecken, Angst und Erstaunen sorgte. Aber eben keine Angst. Es geschah aus illustrativen Gründen. Ging es doch darum, mein zweiteiligen Maniküre- & Pediküre-Set „Rough Rouge“ vorzustellen. Die Begeisterung ließ aber – aus unerfindlichen Gründen – zu wünschen übrig: keine einzige Bestellung! Ich bin immer noch ein wenig enttäuscht, das muss ich ehrlich zugeben.
Dann kam wieder Michi ans Mikro, der Berti klampfte und zum Abschloss nutzte ich nochmals die Gelegenheit, den Kleinzickner:innen mit dem Text Where the Streets have now Names einen weiteren, kleinen Seitenhieb zu verpassen.
Was dann auch der Schlusspunkt der Lesung war. Es gab noch eine handvoll austropopische Takte, viele Gespräche mit den Menschen aus dem Publikum und die Erkenntnis, dass ich wohl für einen Eintrag in die Geschichtsbücher gesorgt hab: Weil nie zuvor gab es eine Lesung, bei der jemand unter Biereinfluß am Podium ein Hackl gezückt hat.
Kommet und höret
Nämlich zur Lesung im Hianznbräu in Großpetersdorf. Der Michi Hess und meine Wenigkeit werden dort ein bisschen was zum Besten geben.
Ein Probeschluckerl schenk ich schon mal vorab ein.
bernstein
a sou a beanstuanigs
bleibt ni a alluanigs.
es heat da gean zui
und gibt imma a rui.
wal ans is ned gmui
kimmt nou ans dazui.
a deis is schnöü goa
und sou fulgn nau a poa.
deis tuit ma recht guid und deis is fix.
„geh bring ma nau a beanstuanigs!“

Die Macht der Käferbohne
Selbst im straffsten Bindegewebe
spürt man zünftiges Windegebebe.
Das kulinarische Paradoxon
Wenn ein Steak „well done“ ist,
ist es nicht well done.
Ein Spürchen

Die Spur ist noch frisch, keine 20 Minuten alt, ein Rappe, beritten von einem ca. 55-jährigen Volksschullehrer, Linkshänder, hat eine leichte Hüftfehlstellung, ein Glasauge und einen Schnauzbart, er trägt ein Schnürlsamtsakko, gekauft 2011 in Mailand, in seinem Hosensack befinden sich 3 Euro 21 Cent, eine Büroklammer und ein blassgrünes Stofftaschentuch mit den eingestickten Initialen, „FG“, seine Armbanduhr geht leicht vor und hat bei 7 Uhr einen Kratzer, der sich leicht auspolieren ließe, das Schnittlauchflankerl zwischen seinen oberen Schneidezähnen, das ihn schon ein Weilchen beschäftigt, stammt vom Hochbeet neben dem Weg oben am Feldackerweg, auf seinem Android-Handy sind drei ungelesene WhatsApp-Nachrichten, eine davon mit einem halblustigen Osterhasen-Meme, an dieser Stelle hat er sich nach links gedreht, um vier aufgeschreckten Rehen nachzusehen, drei davon weiblich, eines lahmt leider, weiß es aber gut zu kaschieren, er hat vor dem Ausritt einen Espresso getrunken, entkoffeiniert, mit einem Schuss Milch und einem kleinen Würfelzucker, der sich nicht ganz aufgelöst hat, die Siebträgermaschine wartet schon seit mehreren Monaten auf ein Service, seine Lieblingsfarbe ist Dottergelb, aber früher war es Rosa, hat er jedoch niemanden erzählt, er liest gerne alte Jerry-Cotton-Romane, die er immer in Antiquariaten kauft, zuletzt war einer dabei, da war noch ein Heiligenbildchen als Lesezeichen drinnen, er startet seinen Fernseh-Abend immer mit Seite 111, um sich einen Überblick über die Weltlage zu verschaffen, aber mehr kann ich jetzt aus der schwachen Spur hier beim besten Willen nicht herauslesen.
Fellnasenbetreuungsgedanken
Nachbarskatz‘ und Hasenpfoten,
tun viel fressen, noch mehr koten.
Morgenservice, Abendkuschel
und dazu noch Liebewortgenuschel.
Knappst Zeit zwar, aber Freudenquell
auch wenn’s draußen noch nicht hell.
Und Tagsüber dann auch Sorgenfalten,
ich überleg noch das mit Haustierhalten.
Der Zahn der Zeit

„Was bin ich für ein steiler Zahn!“
war, was ich hier ganz leis‘ vernahm.
Das Blondchen da, kein bisschen wild,
ergötzt sich noch am Spiegelbild.
Doch bald schon ist die Mähne weiß,
so schließt sich schnell der Lebenskreis.
Ein zarter Pust aus Kindermund
schickt los die Schirmchen rund.
Sie treiben, fliegen, schweben fort,
zu einem unbestimmten Ort,
wo die Natur das ihre tut.
Steiler Zahn, alles wird gut.
Schwarzweiß bedeutet Bunt.

Die Sonne scheint. Der Garten ruft. Der Christoph folgt.
Und der findet ein paar wunderschöne Federn im Frühlingsgrase liegen.
Schon drehen sich die Räder und man fragt man sich natürlich, wem da wohl das Fell über die Ohren gezogen worden ist. Ganz so freiwillig rupf man sich ja nicht am Gefieder. Außer natürlich, der Vogel hat einen ordentlichen Vogel oder sich über irgendwas dermaßen außerordentlich geärgtert, dass es zum Haareraufen kam, was dann aus anatomischen Gründen eben so enden musste.
Also hab ich kundige Freunde des Geflatters konsultiert und die haben mir alsbald berichtet, dass die Zeichnung der Federn typisch und eindeutig zuzuordnen wäre. Und da war ich dann doch auch ein bisschen baff.
Weil, ich mein‘, an Farben ist da nicht viel los. Weiß und Schwarz. Wobei Schwarz ja im Grunde keine Farbe ist, Schwarz ist lediglich die Abwesenheit von Licht. Andere Meister der Farbenlehre wiederum zählen Weiß und Schwarz und alle Graustufen dazwischen zu den „unbunten“ Farben.
Unbunt also.
Aha.
Ach ja, wegen meiner Baffigkeit:
Die Vogelkundler sind sich einig, dass es sich hier um Federn eines BUNTspechts handelt.
Zurückgehen, um sich aufeinander zuzubewegen.
Klingt paradox. Ist es auch. Aber genau das war die einzige Lösung, um enorme Spannung aus einer verzwickten Situation zu nehmen.
Es war der 9. März 2025. Im Hartberg stand ein Spiel der Fußball-Bundesliga auf dem Programm. SK Rapid Wien war zu Gast und sollte um 17 Uhr auf TSV Hartberg treffen. Das Wetter war schön, das Stadion bis auf den letzten Platz ausverkauft, alles war perfekt angerichtet um den Sonntagnachmittag mit einem fußballerischen Kräftemessen ausklingen zu lassen.
Ausgeklinkt haben sich 45 Minuten vor Spielbeginn jedoch die Gehirnwindungen von ein paar Rapid-Fans, die mit der Einlasskontrolle der Polizei nicht ganz zufrieden waren. Was exakt passiert ist, ist nicht lückenlos bekannt. Jedenfalls sind pyroteschnische Gegenstände, Mülltonnen und eine Klotüre (ja, eine „Häusltür“!) in Richtung Polizei geflogen, diese antworte mit Pfefferspray und lies Schlagstöcke sprechen.
Es eskalierte, wie man so schön sagt.
Eine Dritte Halbzeit war also voll im Gange, noch ehe der Anpfiff erfolgte. Diese erhitzte die Gemüter und sorgte schließlich dafür, dass das Spiel erstmal gar nicht angepfiffen wurde. Denn die heißlaufenden Köpfe eines Teils der Rapid-Fans mussten erst wieder abkühlen. Und das war nicht so einfach. Vertreter des Vereins versuchten beruhigend einzuschreiten, mit mariginalem Erfolg. Schließich gelang es Brigitte Annerl, der Präsidentin des TSV Hartberg, der Vertreterin des Heimvereins, dem Kopf des Gegners des wütenden Mobs, genau diesen wütenden Mob zu beruhigen und dazu zu überreden, sich ordentlich zu verhalten und ein Spiel zu ermöglichen.
Das Spiel endete nicht nur auf dem Spielfeld mit einer Niederlage für Rapid. Auch am grünen Filz bekam der Verein eine (wenn auch milde) Abreibung.
Als geheime Siegerin des Spiels gilt jedoch Brigitte Annerl. Ihr Team hat gewonnen, sie hat eine verzwickte Situation durch grandioses Verhandlungsgeschick gelöst, sie hat gezeigt, dass eine Frau in einem so genannten „Männersport“ sehr wohl „ihren Mann“ stehen kann.
Aber das alles ist nur Beiwerk. Ich feiere Brigitte Annerl für eine Passage in ihrem Interview im Kurier, es sind wunderbare Sätze, die das dumme Geschehen rund um ein Fußballspiel bei weitem überstrahlen:
