Warum ich peinlich bin, Bussen nachwinke und das wiederum nicht peinlich ist.

„Das ist peinlich.“
Das? Also ich. Ich, der Papa. Ich, der Papa, der die Kleine in die Schule bringt.
Aha.
„Ich will alleine in die Schule gehen.“
„Du kannst ja eh gehen. Ich geh ja nur mit.“
„Das ist peinlich.“
Mir nicht.
Ok.
Vor einem Monat fing es an. Sie möchte alleine in die Schule fahren. 3 Stationen mit dem Bus. Wenn man denn den auch rechtzeitig erwischt. Und das hat nicht immer funktioniert. Also haben wir abgemacht, dass wir erstmal schaffen, bei Zeiten bei der Busstation zu sein. Zu diesem Behufe wurde das morgendliche Prozedere ein wenig modifiziert: Raus aus den Federn, raus aus dem Pyjama und rein in die Klamotten. Dann runter Frühstücken. Den Comic in der Zeitung mit verteilten Rollen lesen und dann rauf die Zähne putzen. Wieder runter und in Jacke, Schuhe und Co. schlüpfen. Schultasche umhängen und los.
Es klappte prima.Drei mal haben wir es nicht geschafft. Und da war ich schuld. Unter leisem Gemaule ging’s dann zu Fuß oder mit der Bim und dann zu Fuß in die Schule. Sie hat sich gemausert. Kein Drängen ist mehr notwendig. Und da war früher sehr sehr sehr viel Trödelei, die die Zeit verstreichen ließ. Aber jetzt macht die Dame eines nach dem anderen und wird zeitgerecht fertig. Unheimlich fast. Also gut, am Donnerstag Abend, beim Schlafengehen, da hab ich mich dann überreden lassen.
„Im neuen Jahr darfst du dann alleine mit dem Bus fahren.“
„Ok.“
Aufatmen meinerseits. Ich hab noch Zeit gewonnen.
„Aber ich brauch eine Probe.“
„Eine was?“
„Ich muss das ja probieren. Und zwar morgen.“
„Öh…“
„Ok?“
Überrumpelt.
Die Kurze fährt also seit Freitag alleine im Bus in die Schule. Und ich wink‘ dem Bus nach. Nicht nur dem Bus. Ich wink einem Teil ihrer Kindheit nach. Einem Lebensabschnitt.Sie ist nicht mehr die Kleine, die man überall an der Hand führen muss. Ist sie eh nimmer. 2. Klasse Volksschule. Sie kann schon Wege alleine erledigen, ohne dass man sie dabei mit Adleraugen dabei beobachtet. Ein Schimmer Erwachsenwerden erscheint am Horizont und lässt mich wieder einmal die Hufe der galoppierenden Zeit hören.
Ich winke noch.
Der Bus ist schon weit weg.
Und es ist mir nicht peinlich.
Heute nicht.

4 Gedanken zu “Warum ich peinlich bin, Bussen nachwinke und das wiederum nicht peinlich ist.

  1. bonanzaMARGOT 16. Dezember 2013 / 11:23

    süß! vielleicht schreibt die kleine dame bald einen aufsatz über ihren papa, der sie unbedingt im bus begleiten wollte.

    Gefällt mir

  2. stellinger 18. Dezember 2013 / 17:15

    Meine Güte, . . . . . . ist die Kurze nicht gerade eben erst geboren worden? Wo ist die Zeit geblieben????

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s