Das nächste Ablenkungsmanöver: 140km/h statt 130km/h auf der Autobahn.

Der Österreicher liebster Sitzplatz ist der hinterm Lenkrad. Da fühlt man sich wohl und vor allem frei. Denn das Auto ist wie die zweite Haut von Frau und Herr Österreicher. Sie sitzt wie angegossen, auch wenn man gern und schnell aus eben jener fährt. Besonders dann, wenn’s nicht flott genug dahin geht. Denn es wird gestaut, geschlichen, geschnitten und gemittelspurt auf den Autobahnen, dass es eine Freude ist. Oder eben nicht. Freie Fahrt für freie Bürger? Geh bitte!

Schneller ans Ziel. Aber welches Ziel?

Jetzt scheint aber endlich wer erkannt zu haben, dass man da was manchen muss. Kein geringerer als unser aller Verkehrsminister Norbert Hofer. Denn er schickt sich an, die Handbremse der Mobilität auf Österreichs Autobahnen zu lösen. Fortan sollen nämlich großspurige 140km statt der kleingeistigen und rückständigen 130km auf den weiten und breiten Asphaltteppichen innert einer Stunde abgespult werden können. Vorerst soll die Westautobahn mal für ein Jahr lang Testautobahn spielen. Und das – schnell, schnell, schnell – schon ab 1. August. Auch hier wird das Gaspedal durch die Bodenplatte gedrückt, wie beim zum medial kaschierenden Thema 12h-Tag. Das ist aber auch schon der einzige Sinn, der in dieser Aktion steckt. Denn nimmt man Stift, Block, Taschenrechner und Hirnschmalz zur Hand, zeigt sich bald, dass diese Erhöhung der Geschwindigkeitshöchstgrenze kaum bis gar nix bringt. Außer mehr CO2, das in die Luft geblasen wird.

5 Minuten früher daheim, …

Wer will denn nicht 5 Minuten früher daheim sein? Nach einem langen Tag am Arbeitsplatz, dem Shopping oder dem Besuch bei Freunden. Da lähmen die 130km/h dann doch. Aber was heißt 130km/h statt 140km/h? Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit hat man ja nicht dauerhaft am Tacho. Die 140km/h später dann wohl weniger oft. Baustellen, 100er-Zonen und auch der Verkehr zwingen einen dazu, die Lage Tachonadel an die Umstände anzupassen.

… wenn man 151,66 Kilometer Heimweg hat.

Reden wir mal von der perfekten Welt und von der Durchschnittsgeschwindigkeit 140km/h. Wäre das was? Na? 140km auf der Autobahn in einer Stunde runterzuprügeln? Jaaaaa! Da geht einem das Herz auf. Das sind ja 10 mehr als bei lächerlichen 130km/h. Um 5 Minuten einzusparen, indem man einen 140er-Schnitt statt einen 130er fährt, braucht’s einen Heimweg von 151,66km. Das ist keine geringe Distanz, die man mit noch mehr Stress, CO2-Emission und Spritverbrauch unterwegs ist, um 5 Minuten zu sparen. Auf 100km umgelegt ist man mit einem 140er-Schnitt um satte 3 Minuten 18 Sekunden schneller daheim als mit 130km/h Durchschnittsgeschwindigkeit. Ob es das wert ist?

 

2 Kommentare zu “Das nächste Ablenkungsmanöver: 140km/h statt 130km/h auf der Autobahn.

  1. Den Verkehrsministerposten in einer schwarz/blauen Koalitionsregierung jeweils den herausragendsten verkehrspolitischen Knallchargen zuzuschachern, ist in Österreich ja Tradition seit Lügenkanzler Schüssels legendärem Witzfiguren-Kabinett. Eine Figur wie »Teststrecken-Berti« Hofer ist nur ein weiterer x-beliebiger Exponent einer politischen Mantafahrer-Fraktion.

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