28.6.1996

start der tour um 12uhr20. der marsch zur bushaltestelle führt zum ersten verschnaufen. per bus geht´s dann nach wien. stationen: zb. pinkafeld. jahrelang tägliches ziel, aber mit freude stelle ich fest, daß der bus weiter fährt. zuvor war auch noch oberschützen station. über wald und wiese geht´s weiter – endlich: wien. matzlainsdorferplatz. danach südbahnhof, rucksack ins schließfach. mäx wartet bereits auf mich. danach geht´s weiter zu seiner wohnung. beratung beim rucksack-packen. besuch bei andi. spaßige unterhaltung über horoskope und win95. einkauf des „bschoad-packls“ für die zugreise. 4350 alpendollar fürs ticket bezahlt. los zum zug: waggon 418, plätze 45/46 im liegewagen. 4 italienische weibliche wesen sind sehr überrascht, als sie die beiden rucksackler sehen, die sich noch ins abteil zwängen wollen. 300 wörter/minute. aber ansonsten sind sie sehr nett! start! der zug verläßt wien -> es gibt kein zurück mehr. der fahrtwind im gesicht ist angenehm und stimmt die beiden tramper nachdenklich. wie das wohl mit dem schlafen wird, in dem engen abteil? mäx und ich liegen oben. der !ital.! schaffner kommt eine weile später ud nimmt uns das ticket und den paß weg. „domani! – morgen bekommen wir alles zurück. hoffentich! jetzt bin ich … schaffner nummer 2: der österreichische schaffner kommt und will von uns je 238öS kassieren. 50% der inlandsstrecke müssen berappt werden. mäx zahlt in schilling -> kein problem. ich hab natürlich alle schillinge aufgebraucht. eh klar! die zahlung mit lire zeichnet sich als schwierig ab. der inkompetente österr. schaffner hat leichte probleme mit dem umrechnen und hätte mich, danke markus, fast um 5öS betrogen – aber auch das ist jetzt erledigt. auch die 4 ladies haben troubles mit den supplementos. jetzt bin ich auch schon etwas müde. vielleicht noch etwas die füße vertreten, die letzte wurstsemmel verfuttern und dann: bueno notte!
heute vor 10 jahren bin ich zu einer wunderbaren interrail-reise aufgebrochen. wir sind wie die irren durch halb europa gedüst und haben das leben genossen. eine ungemein spannende zeit – erstmals weg von daheim, auf sich selbst angewiesen und frei. ungereimtheiten wie in genua, als wir im hafenviertel fast beklaut wurden, oder das hotel cristallo, in dem man aus dem zimmerfenster zur gegenüberliegenden wand greifen konnte und der lichtschalter fürs zimmer war am gang, die verregnete nacht in pamplona die und in den bahnhof zum schlafen trieb und dort die bullen um ein uhr in der nacht wieder aus dem bahnhof hin zu irgendeinen korridor, wo auf 100 meter länge 200 tramper teils sogar ohne schlafsack übernachtet haben. oder der tages-trip von berlin nach stuttgart, weil grad thomas muster ein halbfinale spielte und abends gings rauf nach hamburg, wo wir in einen tatort-dreh reinplatzen. oder die immer laute ramblas in barcelona, den tolgo – den spanischen ice, in dem mich rocky1 auf spanisch vom schlafen abgehalten hat, das schlafen im hydepark oder im englischen garten, das wäschewaschen in paris um mitternacht, die katholische jugendherberge mitten im amsterdamer rotlichtviertel in dem wir in einem 42mann zimmer untergebracht waren. der königliche tennisclub in monaco, der zwar mit vielen überwachungskameras abgesichert schien, aber das türl war halt offen und wir sind rein und habenes gar bis zum centre-court geschafft. die fahrt raus nach wimbledon – mit schienenersatzverkehr hat uns zu einem grillfest geführt, inmitten eines netten kleinen parks. die fahrt mit der fähre von england nach amsterdam war wieder verzichtbar – engländer und japaner matchten sich im biersaufen, verloren haben sie alle und auch die, die nicht mitgemacht haben und ihre rucksäcke nicht rechtzeitig in sicherheit gebracht haben. der mcdonalds in nizza, der bier nur dann hergiebt, wenn man auch was zum essen bestellt, die lästigen tauben vor dem duomo in mailand, der 7 spurige kreisverkehr am triumpfbogen, der alte mann in amsterdam, der sich die zeiten zurück wünscht, in denen amsterdam noch verträumt ruhig war und nicht als canabis-welthauptstadt galt, die sockengallerie in den zugabteilen, die uns stets von mitfahrern schützte – was den vorteil hatte, dass man zu zweit alle sitze auszieht und ein bequemes riesenbett bekommt, da war noch das bolsover-hotel in london, von indern geführt, die gerne mal ein bett doppelt vergeben und den boden waxen, dass es eine freude ist, die engen stehplätze auf der fahrt von nürnberg nach prag, die sich langsam lichteten und das besste nickerchen am gang kurz vor prag und dann nich die miniberockte schaffnerin die scheinbar nicht mitbekommen hat, dass wir da lagen, die münzenvielfalt die sich in der zeit ansammelte, die vielen plaudereien mit anderen interrailern, die besten fritten der welt in amsterdam – natürlich die obelix-portion mit einer von ca. 42 saucen, den frechen kids die in jedem park herumkicken….
geblieben sind ein a5 heftl, ein tramperrucksck, die liegematte, ungemein viele eindrücke und der wunsch, es noch einmal zu machen.

5 Gedanken zu “28.6.1996

  1. knutschflower 28. Juni 2006 / 18:02

    Ich habe es ja versäumt während meiner Jugendzeit so eine Interrail-Reise zu machen. Und wahrscheinlich macht so etwas auch nur in der unbekümmerten Lebenszeit so richtig Spaß. ;o)

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  2. boomerang 29. Juni 2006 / 09:10

    unbekümmertheit ist ein guter begleiter auf so einem trip – obwohl wir ja fast zu vernünftig unterwegs waren – im nachhinein betrachtet.

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  3. schnuten 29. Juni 2006 / 14:56

    oh mann.. das wollte ich damals auch unbedingt machen, aber ich hatte leider niemanden gefunden, der mitkommen wollte. und ganz allein wollte ich dann doch nicht…

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  4. rollinger 3. Juli 2006 / 11:25

    Das mit dem Interrail blieb auch bei mir aus. Es waren die alten Schrottkarren mit denen wir durch Europa reisten. Aber die Erinnerungen sind ähnlich. Eine Bäckerei in Paris ist fast nicht zu finden. Sex hätte man billig bekommen können, aber wir wollten eigentlich was essen. 😉

    Ich verstehe ihre nostalgische Gedanken, aber es lässt sich nicht wiederholen. Dafür kommt aber was anderes.

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